Sozialarbeit ohne Zivildienst?
Das Problem ist schnell beschrieben: Mit dem Wegfall der Wehrpflicht, über den sich alle Fraktionen einig waren, entfiel auch der Zivildienst. Der Bundesfreiwilligendienst musste in sehr kurzer Zeit „aus dem Boden" gestampft werden und nun fehlen vor Ort die Menschen, auf die die Sozialarbeit angewiesen ist. „Woher sollen die Freiwilligen kommen?", fragte das DRK Oststeinbek. „Und wer ist Ansprechpartner, wenn wir Fragen haben?", wollte ein Seniorenbeirat aus Reinbek wissen. „Undurchdacht und zu überhastet" sei die Reform gekommen, fanden die Oppositionsabgeordneten. Die Vertreter der Regierungskoalition sahen das natürlich anders.
Einig waren sich die Bundestagsabgeordneten darin, dass eine über Jahrzehnte gewachsene Struktur wie die des Zivildienstes nicht über Nacht ersetzt werden könne. Sönke Rix forderte deshalb einen Dreiklang aus Verbesserungen im Bundesfreiwilligendienst, Stärkung ehrenamtlicher Arbeit und Ausbau von sozialverssicherungspflichtiger Beschäftigung im Sozialbereich. „Die Bundesregierung hätte den Wegfall des Zivildienstes nicht allein als Sparbeitrag für den Bundeshaushalt nutzen dürfen", kritisierte er.
Diese Probleme konnten im Laufe einer lebhaft geführten Diskussion, an der auch Oststeinbecks Bürgermeisterin Martina Denecke teilnahm, teilweise nur angerissen werden. Deutlich wurde aber zweierlei: Die Bundestagsabgeordneten nahmen den Wunsch nach besserer Information und Verbesserungen im neuen System mit, den Seniorenbeiräten und ihren Gästen wurde klar, dass es einen gleichwertigen Ersatz für den Zivildienst nicht geben wird, weil künftig eben auf Freiwilligkeit gesetzt wird und die Gesellschaft heute viele Anforderungen an junge Menschen stellt.
Martin Habersaat brachte Anregungen mit Blick auf die Situation vor Ort: Zum Einen bat die Seniorenbeiräte zu dokumentieren, wo nun helfende Hände fehlten und wo Sozialarbeit nicht mehr wie bisher geleistet werden könne. Habersaat: „Unsere Städte und Gemeinden organisieren das Zusammenleben vor Ort. Möglicherweise werden sie hier einspringen müssen." Barsbüttel tut dies beispielsweise bereits jetzt, indem die Gemeinde einen Fahrdienst finanziert. Zum Anderen sollten alle Beteiligten daran denken, dass benötigte Freiwillige nur aus der eigenen Nachbarschaft kommen können. „Die zuständigen Ausschüsse werden sich darum kümmern müssen, wie wir die Probleme lösen."
