Werte in der Politik
Die Kirche war gut besucht, im Anschluss an einen Gottesdienst wollten viele Gäste die „Menschen hinter der Rolle des Politikers" kennenlernen. Und so berichteten die drei SPD-Vertreter, wie sie überhaupt zur Politik kamen und warum sie sich für die SPD entschieden. Überraschende Parallele: Alle drei waren in ihrer Jugend aktive Pfadfinder, haben dort gelernt, Verantwortung zu übernehmen. Während für Volker Müller das umsichtige Handeln Helmut Schmidts während der Flutkatastrophe in Hamburg ein wichtiger Faktor war, der SPD beizutreten, war es für Franz Thönnes die Ostpolitik Willy Brandts. Und Martin Habersaat, mit 34 Jahren der Jüngste in der Runde, wollte der SPD 1998 helfen, Helmut Kohl als Bundeskanzler abzulösen.
Gerechtigkeit - dieser Wert, dieses politische Ziel ist für alle drei eine Triebfeder. Martin Habersaat erklärte dies am Beispiel seiner Tätigkeit in der Bildungspolitik: „Ich halte es für ungerecht, wenn die Herkunft eines Kindes einen größeren Einfluss auf seinen Schulabschluss hat als sein Können." Franz Thönnes nannte seinen Einsatz dafür, die Lage älterer Arbeitnehmer/innen zu verbessern und im Ausland erworbene Abschlüsse in Deutschland leichter anerkennen zu lassen. Volker Müller erläuterte seine Bemühungen um den sozialen Zusammenhalt der Gesellschaft. Wenn auch die großen Werte nicht in jeder Einzelentscheidung mitdiskutiert würden, so seien sie doch hilfreich, die Richtung des Handelns zu bestimmen.
In der von der Journalistin Elke Güldenstein moderierten anschließenden Diskussion mit dem Publikum wurden viele unterschiedliche Aspekte des politischen Lebens besprochen. Von Gewissensfragen und dem sogenannten Fraktionszwang über sinkende Mitgliederzahlen in den Parteien bis hin zur Frage, was denn die politische Triebfeder jedes Einzelnen sein. „Ich möchte mit anderen gemeinsam unsere Gesellschaft gestalten und Verantwortung übernehmen" - so fasste Martin Habersaat sein Engagement zusammen, nannte dies aber auch als Einstellung, die er seinen Schülerinnen und Schülern immer habe vermitteln wollen.
Das Schlusswort zum Abend hatte Probst Martin Bohl, der Betrachtungen zum Zusammenhang der Werte Freiheit und Verantwortung anstellte. Als Dankeschön gab es für die Gäste eine sinnbildliche rote Socke mit einem Nikolaus darin. „Nett und rot - passt zu uns!", schmunzelten die drei Politiker am Ende eines Abends, der zwar sehr politisch war, aber viel nachdenklicher und tiefgehender als manche Podiumsdiskussion.
Foto: Volker Müller, Martin Habersaat, Franz Thönnes, Elke Güldenstein, Martin Bohl, Benedikt Kleinhempel
