Bildung bewegt - voller Saal in Wentorf
Die SPD in Wentorf hatte sich bei den bildungspolitischen Entscheidungen der vergangenen Jahre stets auf die Seite des Elternwillens gestellt: Erst forderte man, leider vergebens, die Einrichtung einer Gemeinschaftsschule, dann die Umstellung des Gymnasiums auf G9. Nun hatte man Martin Habersaat eingeladen, um zu berichten, wie es nach einem Wahlsieg der SPD am 6. Mai weitergehen könnte. Einig waren sich alle Beteiligten: Es soll in Wentorf die Möglichkeit geben, das Abitur in neun Jahren zu erreichen. Der Landespolitiker empfahl einen Blick nach Preetz, wo Gymnasium und Gemeinschaftsschule ein gemeinsames Modell entwickelt haben, das eine Kooperation auch in der Oberstufe vorsieht. Außerdem wies er auf die Notwendigkeit einer guten Zusammenarbeit zwischen dem Schulträger und den örtlichen Schulen hin.
Martin Habersaat, 34 Jahre alt und aus Barsbüttel stammend, hat als Lehrer in Hamburg selbst die Umstellung von G9 auf G8 mitgestaltet. Er weiß aus eigener Erfahrung um die Schwierigkeiten für die Schulen, wenn aus dem Ministerium für den neuen Bildungsgang keine neuen Rahmenpläne vorgelegt werden. Und er benannte einige Grundvoraussetzungen für das Funktionieren von G8: Eine Entschlackung der Rahmenpläne, neue Stundenkonzepte der Schulen, neue Unterrichtskonzepte der Lehrer, beispielsweise mit sinnvollem Umgang mit Doppelstunden und weniger Hausaufgaben. Neben der Frage nach der richtigen Schulform ging es auch um viele Fragen, die den Alltag an den Schulen und anderen Bildungseinrichtungen betreffen: Gibt es genügen Vertretungslehrer? Was kann das Land tun, um Lehrkräfte in den Mangelfächern wie Physik zu gewinnen? Reichen die Betreuungsangebote im U3- und Hortbereich aus? Diese und mehr gab Anlass, über Reformbedarf im Bildungssystem zu sprechen und verschiedene Ideen auszutauschen.
Die anwesenden Eltern forderten von der Bildungspolitik, Reformen nur dann anzugehen, wenn diese konzeptionell unterfüttert seien. Wichtig sei es zudem, die Betroffenen mitzunehmen. Beiden Forderungen konnte der Bildungspolitiker zustimmen, verwies aber darauf, dass es unter „den Betroffenen" höchst unterschiedliche Vorstellungen von guter Bildungspolitik gebe. Die einen fordern ein bundeseinheitliches Schulsystem, andere wünschen sich die größtmögliche Autonomie für die einzelne Schule. Die einen wünschen sich Ganztagsunterricht, andere fordern freie Nachmittage für die Kinder. Habersaat: „In diesem Spannungsfeld müssen wir an einem Bildungssystem arbeiten, das die optimale Entwicklung des einzelnen Schülers in den Blick nimmt und seine bestmögliche individuelle Förderung an der Schule." Zufrieden zeigte er sich, dass niemand der Anwesenden ein Zurück zur alten Dreigliedrigkeit des Schulsystems forderte.
Nach drei Stunden teils hitziger Debatte resümierte der Abgeordnete: „Es gibt in der Bildungspolitik selten Abende, an denen alle einer Meinung sind. Wichtig ist es, Differenzen offen anzusprechen, die eigenen Beweggründe und Ziele zu erläutern und sich um eine ehrliche Debatte zu bemühen. Und vor allem: Das Wohl der Kinder in den Mittelpunkt zu stellen." Das war ihm offenbar gelungen: Auch wenn es am Ende keine Zusage für ein G9-Gymnasium in Wentorf gab, bedankten die Gäste für einen anregenden Abend, den beide Seiten mit Stoff zum Nachdenken verlassen konnten. Allen, die weiter über bildungspolitische Konzepte und Ideen für Verbesserungen an den Schulen sprechen wollten, machte Habersaat das Angebot, dies auch tun zu können. Kontakt: www.martinhabersaat.de.
