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Rezension: Rudolf Brunngraber - Zucker aus Cuba

Cover: Zucker aus Cuba Cover: Zucker aus CubaDer Wiener Rudolf Brunngraber (1901-1960) widmete sich vornehmlich der Form des Tatsachenromans, der sich eng an historische Vorlagen hält. Mit „Zucker aus Cuba" gelang ihm, der später Präsident der sozialistischen Journalisten und Schriftsteller Österreichs wurde, 1941 ein Bestsellererfolg im nationalsozialistischen Deutschland. Geschildert werden die Jahre 1915 - 1933, die Cuba zunächst einen märchenhaften Aufschwung bescherten, dann aber auch einen tiefen Fall.

Der Untertitel „Roman eines Goldrausches" macht klar, worum es geht. Interessant ist, wie dieselben Mechanismen von Gier und Maßlosigkeit Gesellschaften immer wieder an den Abgrund bringen können - seien es Tulpen in Holland, Zucker aus Cuba oder Immobilien in den USA. Mit dem Ersten Weltkrieg kam in Europa die Produktion des Rübenzuckers zum Erliegen, und das in einer Zeit, in der die Menschen sich an einen steigenden Zuckerkonsum gewöhnten. Das brachte die Preise für Rohrzucker in ungeahnte Höhen und führte zur Umstellung der cubanischen Wirtschaft auf ein einziges Produkt. Geschildert wird dieser Umbruch am Beispiel des Gutes der Familie Laval, deren Familienoberhaupt Joaquin Laval zwar eine Katastrophe befürchtet, sich aber dem Druck seiner erwachsen werdenden Kinder beugt und ebenfalls Zucker anbaut. Bis die europäische Landwirtschaft sich schließlich zurückmeldet...

Neben dem Fall der Zuckerpreise machen Cuba seine korrupten Regierungen zu schaffen, dazu gelingt es den Amerikanern, durch den Kauf von Pleite-Plantagen ihren Einfluss auf die cubanische Wirtschaft stetig zu steigern. Der junge Fulgencio Batista, ebenfalls Jahrgang 1901, spielt eine Nebenrolle in den letzten Kapiteln des Romans, der verstehen hilft, wie die cubanische Revolution unter Fidel Castro und Che Guevara 1957/58 möglich wurde. Gleichzeitig ist es interessant zu beobachten, in welchem „Ton" so ein Roman vor 70 Jahren geschrieben wurde, beispielsweise als die Tochter des Hauses vorehelich schwanger wird: „Es bestand kein Zweifel: das monatliche Datum, das durch all die Jahre seine unbedingt regelmäßige Wiederkehr gehabt hatte, zeigte sich diesmal als versäumt."


 
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