Rezension: Christopher Paolini - Eragon
Die Rebellen kämpfen gegen das Imperium, nachdem sich ein hoffnungsvoller Vertreter des Guten auf die dunkle Seite geschlagen und sich fast alle Völker unterworfen hat. Eine neue Hoffnung keimt auf, als sich ein Junge, dessen Eltern zunächst unbekannt sind und der bei seinem Onkel aufwächst, als potentieller Retter erweist. Glücklicherweise wohnt in seiner Nähe ein ehemaliger Krieger, der ihn nach dem gewaltsamen Tod des Onkels in die entsprechenden Künste einweist und in Richtung seiner endgültigen Ausbildung führt, bei einem Lehrmeister, der selbst aktiv nicht mehr kämpfen mag. Bevor die Ausbildung abgeschlossen werden kann, geht es allerdings schon in die große Schlacht...
Was dem Einen seine Macht, ist dem Anderen sein Drache. Die obenstehende kurze Zusammenfassung trifft nämlich sowohl auf den Science-Fiction-Klassiker Star Wars zu, als auch auf Eragon. R2D2 kommt zu Luke und führt ihn und Obi-Wan, der einst ein Jedi war, zu den Rebellen. Obi-Wan wird Vaterersatz, stirbt aber leider unterwegs. Ein Drachenei landet bei Eragon und führt ihn und Brom, der einst ein Drachenreiter war, zu den rebellischen Varden. Brom wird Vaterersatz, stirbt aber leider unterwegs. In der ewähnten Schlacht enthüllt sich allerdings nicht der Vater seinem Sohn - aus "Ich bin dein Vater, Luke!" wird die Offenbarung des Bruders...Und wie wird mit der neugewonnenen männlichen Verwandtschaft umgegangen? Mit der Aufforderung, sie möge ihren Zorn überwinden und zurückkommen zur guten Seite. In beiden Fällen leider nicht ohne Weiteres möglich, weil Lukeragon die Macht des Imperators unterschätzt...
Und noch eine Kleinigkeit: Die Helden bei Eragon heißen Roran, Ayra, Brom, Jeod. Und wie heißt der Schmied aus Eragnons Dorf? Tatata: Horst.
So, und nun zum lobenden Teil: Die Idee, Star Wars in eine klassiche Fantasy-Umgebung mit Elfen, Zwergen und Drachen zu übertragen, ist brillant. Und schreiben kann Paolini über weite Strecken auch. Er hat Humor, den er etwa bei der Beschreibung eines betrunkenen Drachen unter Beweis gestellt, und besonders gut gelingt es ihm, nächtliche Zwiegespräche am Lagerfeuer zu beschreiben. Dafür verzeihe ich ihm dann auch Lieblingsfloskeln („In stummem Einvernehmen..."), die möglicherweise ohnehin dem Übersetzer anzulasten sind.
Die Story ist zwar alt, aber so gut, dass sie noch einen Aufguss verträgt. Alles in Allem ist Paolini hier wohl ein neuer Fantasy-Klassiker geglückt, der jetzt nur noch so gut verfilmt werden müsste, wie es mit Star Wars und dem Herrn der Ringe schon passiert ist.
Martin Habersaat, März 2009
