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Rezension: Frank Goosen - So viel Zeit

Cover: So viel Zeit Cover: So viel Zeit„Liegen lernen" war aus meiner Sicht das Meisterwerk Frank Goosens. „Pokorny lacht" war in Ordnung, kam aber nicht an seinen Erstling heran. „So viel Zeit" ist endlich ein Goosen-Roman, der an den Erstling anknüpfen kann. Vier Freunde, die sich aus der Schule kennen, gründen eine Band. Das Besondere: Die gemeinsame Schulzeit liegt bereits 25 Jahre zurück, so ist der Drummer Arzt, der Keyboarder hauptberuflich Steuerberater und der Gittarrist ein erfolgloser Schriftsteller. Wenn sie nicht gerade proben, kümmern sie sich um ihre Kinder, ihre zerrütteten Ehen, die Firma oder den Darmkrebsverdacht. Der Vorteil einer solchen Band: Wenn man neue Instrumente braucht, geht man einfach in einen Laden und kauft, was man haben möchte.

Am Bass sieht man den Musiknovizen Konni, dessen ersten großen Auftritt in der Band Goosen so beschreibt: „Wie auf Befehl stemmten sie plötzlich ein Break in den Raum, ein schwarzes Loch, das nur durch eines gefüllt werden konnte: das erste Bass-Solo im Leben des 44-jährigen Oberstudienrates für Biologie und katholische Religion, Konrad Beckmann, ledig, verbeamtet, Mitglied im Haus- und Grundeigentümerverein."

Die Moral von der Geschichte ist, dass Männer sich eigentlich nie ändern. Und falls doch, kommt der Zeitpunkt in ihrem Leben, an dem sie genau dies bereuen und rückgängig zu machen versuchen. Ein unterhaltsam geschriebener Roman mit viel Humor und sympathischen Figuren, von denen man gerne mehr lesen würde. Wichtige Erkenntnis am Rande: Wer „Wir sind auf einem guten Weg" sagt, ist floskeltechnisch der SPD zuzuordnen (S.122).

Martin Habersaat, April 2009

Frank Goosen - Interview zum Buch:

http://www.frankgoosen.de/content/video/


 
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