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Gastrezension: Peter Zolling - Das Grundgesetz

Cover: Zolling - GrundgesetzCover: Zolling - GrundgesetzVon Tomas Unglaube - Vor 60 Jahren, am 8. Mai 1949, verabschiedete der Parlamentarische Rat das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland, am 23. Mai trat es in Kraft. Peter Zolling, promovierter Historiker und ehemaliger Redakteur beim "Spiegel", nimmt dieses Jubiläum zum Anlass, um Jugendliche ab 14 Jahren für unsere Verfassung zu interessieren. Das Ergebnis ist ein gut lesbares, engagiertes Plädoyer für unsere freiheitlich-demokratische Grundordnung, dem viele Leserinnen und Leser zu wünschen sind. Peter Zollings knapp 200 Seiten dickes Buch "Das Grundgesetz. Unsere Verfassung - wie sie entstand und was sie ist", gliedert sich in vier Abschnitte. Im Anschluss an eine staatsrechtliche Einführung, in der er knapp zentrale Begriffe wie Gewaltenteilung, Demokratieprinzip, staatliches Gewaltmonopol etc. erläutert, stellt Zolling zunächst auf 50 Seiten übersichtlich und verständlich die Entstehungsgeschichte des Grundgesetzes dar.

Rückblick und Geschichte

Die Erfahrungen mit der Weimarer Publik und der NS-Diktatur, der Kalte Krieg und die widerstreitenden Interessen der Alliierten werden hier ebenso angesprochen wie die Arbeit des Verfassungskonvents von Herrenchiemsee und die Diskussionen im Parlamentarischen Rat. Deutlich zeichnet Zolling dabei die unterschiedlichen Interessenlagen nach und betont insbesondere die Bedeutung von Carlo Schmid für die Formulierung des Grundgesetzes.

Auf knapp 90 Seiten erläutert Zolling dann im Hauptteil seines Buchs detailliert und vielfach anschaulich die in Art. 1 bis 19 des Grundgesetzes formulierten Grundrechte. Er orientiert sich dabei an einer liberalen Interpretation des Grundgesetzes insbesondere in Anlehnung an den Hamburger Verfassungsrechtler Ingo von Münch. Wünschenswert wäre es gewesen, wenn Zolling bei diesen Erläuterungen nicht nur die aktuelle Fassung der Grundrechtsartikel berücksichtigt hätte, sondern auch deren Geschichte seit 1949. So hätte sich verdeutlichen lassen, dass auch das Grundgesetz als lebendige Verfassung einem historischen Wandel unterworfen ist - und dennoch in seinem Kernbestand „ewig" ist. Auch wäre es sinnvoll gewesen, in die Erläuterungen systematisch Urteile des Bundesverfassungsgerichts einzubeziehen, um zu zeigen, dass auch die Grundrechte einer - allerdings nicht beliebigen - Interpretation unterliegen.

Im letzten Kapitel erläutert Zolling vor allem anhand einer sachkundigen Interpretation von Art. 20 GG ausführlich und verständlich die im Grundgesetz definierten Staatsziele der Bundesrepublik Deutschland. Zolling beschließt sein Werk mit einem eindrücklichen Plädoyer für die im Grundgesetz formulierten Werte und betont deren Zukunftsfähigkeit gerade angesichts neuer Herausforderungen durch die Bedrohung der Umwelt, die Finanzkrise und den Terrorismus.

Insbesondere für Schülerinnen und Schüler der Sekundarstufe 2 ist dieses Buch als Einführung hervorragend geeignet. Wünschenswert wäre es, wenn eine zweite Auflage auch ein Sachregister sowie Quellennachweise enthielte. Die Qualität der Argumentation würde dies nicht schmälern - im Gegenteil.

Tomas Unglaube ist stellvertretender SPD- und SPD-Fraktionsvorsitzender in Reinbek.

Weitere Rezensionen von Tomas Unglaube finden Sie hier:

http://www.vorwaerts.de/autoren/tomas-unglaube


 
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