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Rezension: Jochen Schimmang - Das Beste, was wir hatten

Cover: Das Beste, was wir hatten Cover: Das Beste, was wir hattenJochen Schimmang befasst sich in „Das Beste, was wir hatten" mit der Geschichte der „Bonner Republik" und öffnet den Blick dafür, dass nicht nur die ehemaligen DDR-Bürger mit der Wiedervereinigung den Staat ihrer Jugend verloren haben. „Das Beste" ist übrigens ein Schuppen, den die Hauptfigur Gregor Korff, Jahrgang 1948 wie sein Schöpfer Jochen Schimmang, in bewegten Jugendtagen mit seinem besten Freund in Ostfriesland findet und für allerlei Abenteuer herrichtet. Dieser beste Freund wird später als Anwalt Linksradikale gegen den Staat verteidigen.

Während seines Studiums in West-Berlin wird Gregor Korff zunächst auch ein Linksradikaler, als er sich einer Frau zuliebe einer K-Gruppe anschließt. Später freundet er sich mit dem Verfassungsschützer Leo Münks an und verlässt die Szene nicht nur, sondern heuert nach einem Gastspiel als Privatdozent in Speyer bei einem Politiker an, der Rudolf Seiters (CDU) ist, aber nicht so genannt wird. Diesen begleitet er fortan auf allen Stationen seiner politischen Karriere bis ins Kanzleramt, das Seiters für Helmut Kohl organisierte. Es beginnt ein beschauliches Leben im beschaulichen Bonn und Korff freundet sich unter anderem mit Peter Glotz (SPD) an, der, da 2005 verstorben, namentlich auftreten darf.

Als herauskommt, dass er eine Affäre mit einer Stasi-Agentin hatte, die er sogar heiraten wollte, muss Korff seine Position als Politikberater aufgeben und nimmt wieder Lehraufträge an. Nach der Wiedervereinigung geht es noch einen Schritt weiter zurück: Er nimmt den Kampf gegen den Staat wieder auf, der nicht mehr seiner ist und befreit einen Freund aus Jugendtagen aus der Haft. Dieser Freund hatte sich zum Ziel gesetzt, das Niederwalddenkmal zu sprengen, das an den Sieg über Frankreich im Jahr 1870/1871 erinnert. Gewalt gegen Sachen, zumindest gegen diese eine, wird in Kauf genommen. Später kauft Korff sich sogar Farbbeutel für einen eigenen Anschlag.

Erzählt wird nicht immer linear, immer wieder gibt es Rückblenden, Erinnerungen und Reflexionen. Mit Dietlind Mohr-Hagen taucht auch eine eindrucksvolle sogenannte Liberale auf: „...ganz besonders hübsch war es, wenn eine Angehörige des Schmarotzerapparats der politischen Klasse, gepampert und ausgestopft mit bestem Gehalt, ..., die alte Weise „Jeder ist seines Glückes Schmied" sang und zu Selbstverantwortung und Eigeninitiative mahnte und zu einem schlanken Staat." (S.181)

Michael Braun kommt für den Tagesspiegel zu dem Schluss, Jochen Schimmang habe „hier sein Opus Magnum vorgelegt". Ich persönlich finde, wer sich für Zeitgeschichte interessiert und Politik mal hinter den Kulissen zusehen will, der wird mit diesem Buch vergnügliche Tage haben, sich allerdings in einem Jahr nicht mehr an Vieles erinnern.

Martin Habersaat, Mai 2010


 
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