Rezension: Peter Hoeg - Fräulein Smillas Gespür für Schnee
In drei Büchern (Die Stadt, Das Meer, Das Eis) klärt Fräulein Smilla den rätselhaften Tod des Nachbarjungen auf. Dieser ist vom Dach gestürzt, allerdings, wie sie anhand der Spuren im Schnee erkennt, ist er gesprungen und nicht abgerutscht. Das Gespür für Schnee hat Smilla durch Herkunft, sie ist in Grönland geboren. Weil sie als Jugendliche nach Dänemark gezwungen wurde, fühlt sie sich allerdings in beiden Welten nicht heimisch. Der Roman beginnt in Kopenhagen und endet auf einer Insel vor Grönlands Küste. Ihre Heimat erreicht Smilla nicht - ein schönes Bild für ihre Situation.
Høeg lässt Smilla in der ersten Person berichten, mit einer Sprache, die teilweise gewöhnungsbedürftig, nicht immer klar und zuweilen auch in der Chronologie wirr ist. Hat man sich an diesen Ton aber erstmal gewöhnt, begleitet man Smilla gespannt bei der Aufklärung eines Verbrechens und macht sogar ihren Wandel vom schüchternen Eskimo-Fräulein zur Actionheldin mit. Interessant für mich war zudem die Auseinandersetzung mit dem schwierigen Verhältnis der Inuit und der Dänen.
Martin Habersaat, Juli 2010
