Rezension: Einzelkind - Harold
Zum Jobverlust kommt es wegen des Umstandes, dass Harold mit Rinderblut übergossen hinter seinem Verkaufstresen erscheint. Die Pause habe nicht zum Abwaschen gereicht, erklärt er seinem Chef. Erschütternder für ihn ist das Auftauchen des elfjährigen Melvin, der Harold zu manchem Abenteuer zwingt. Eines der ersten gemeinsamen Unternehmen ist ein Pubbesuch; Melvin sucht lange nach einer Spelunke, die seinem Bild eines Pubs entspricht. An einem klebrigen Tisch vor seiner Limonade sitzend, erkundigt sich Melvin dann bei den Rockern am Tresen, wann diese ihr erstes homosexuelles Erlebnis hatten und wie es überhaupt zu ihren Sozialisationsstörungen gekommen sei.
Eigentlich erscheinen in der Edition Diamat keine unverlangt eingesandten Texte. „Harold" ist doch erschienen - das spricht für den Text und die Edition. „Einzelkind" ist übrigens nicht der Name des Autors - diese möchte lieber anonym bleiben. Der Ton ist unterhaltsam und oft irgendwie britisch, Melvin erinnert zuweilen an „Das kleine Arschloch" von Walther Moers - was durchaus als Kompliment gemeint ist, Harold trägt leicht autistische Züge von Ingvar Ambjørnsens „Elling". Gemeinsam begeben sie sich auf einen Roadtrip durch Großbritannien, der sich nachzulesen lohnt.
Martin Habersaat, August 2010
