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Rezension: Marion Zimmer Bradley - Die Nebel von Avalon

Cover: Die Nebel von Avalon Cover: Die Nebel von AvalonDie Artus-Sage aus weiblicher Sicht - So könnte man „Die Nebel von Avalon" wohl am ehesten zusammenfassen. Im Mittelpunkt der mehr als 1000seitigen Erzählung von Marion Zimmer-Bradley (1930-1999) steht Morgaine, sonst bekannt als die böse Fee Morgana, hier vom Kindes- bis zum Rentenalter Bezugspunkt für den Leser. Sie soll in der Nachfolge von Viviane die „Herrin vom See" werden, versucht aber, die Geschicke Britanniens im Sinne Avalons von andere Stelle aus zu lenken.

Die Christliche Kirche entwickelt sich von der geduldeten Randerscheinung zum bekämpften Gegner, der schließlich der keltischen Religion überlegen ist. Erst gegen Ende versöhnen sich beider Religionen, obwohl der Merlin von Britannien die Lösung schon zu Beginn verkündet: „Alle Götter sind ein Gott". Dabei geht es durchaus unchristlich zu: Der Leser erfährt von Morgaines nächtlichen Abenteuern mit ihrem Halbbruder Artus, mit Lancelot und erblickt letzteren auch an der Seite von Artus und Gwenhwyfar.

Der Roman ist aus unterschiedlichen Perspektiven erzählt. Gwenhwyfar, in einem Kloster aufgewachsen und von dem Wunsch beseelt, an Artus' Seite ein christliches Königreich zu erschaffen, beurteilt die Menschen an ihrem Hofe natürlich mit grundsätzlich anders als Morgaine, die Artus an seine Versprechungen Avalon gegenüber zu binden versucht. Die weibliche Perspektive sorgte dafür, dass „Die Nebel von Avalon" in der feministischen Rezeption eine bedeutende Rolle spielte.

Bei der ersten Lektüre im Teenager-Alter war ich restlos begeistert von der dichten Atmosphäre und „neblig-waldigen" Grundstimmung. Als ich den Roman jetzt nach vielen Jahren noch einmal gelesen habe, fielen mir auch durchaus unfreiwillig komische Szenen auf. In meiner Taschenbuchausgabe auf S.857: „Sanft grunzend lief sie durch den Wald... Sie spürte das Leben, die rennenden und rufenden Jäger... Göttin! Große Muttersau..." Wer wollte meinen, dass die gerade ein Mord geschieht? Es gibt aber auch erzählerische Highlights, selten war ich bei der Lektüre so empört wie nach dem hinterhältigen Mord an Viviane...

Martin Habersaat, Oktober 2010


 
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