Rezension: Carlos Ruiz Zafón - Das Spiel des Engels
Der junge Autor David Martín schlägt sich mehr schlecht als recht als Redaktionsassistent durch. Seinem Traum, Schriftsteller zu werden, kommt er erst als Autor von Schauerromanen näher und schließlich durch ein Angebot des Verlegers Andreas Corelli, einem Mann mit Engelsbrosche, der allerdings einem dieser Schauerromane entsprungen zu sein scheint. Corellis Auftrag an Martín: Ein Buch schreiben, auf das man einen Glauben gründen kann. Aber: „Es darf uns nicht genügen, dass die Menschen glauben. Sie sollen glauben, was sie glauben sollen. Und sie sollen das weder infrage stellen noch auf die Stimme von irgendjemandem hören, der das infrage stellt. Das Dogma muss zur Identität selbst gehören. Wer immer es infrage stellt, ist unser Feind. Ist das Böse."
So landet Martín Stück für Stück in einer Welt, die ihm vorher fremd war. In einem vor Jahren abgebrannten Haus findet sich plötzlich für eine Nacht ein zweifelhaftes Etablissement und der junge Mann, der als Ich-Erzähler auftritt, wird gefragt, ob er lieber Champagner oder Likör trinke: „Mein Gaumen hatte bisher nur die Subtilitäten verschiedener Leitungswassergattungen erkundet, sodass ich die Schultern zuckte." Und wie sich herausstellt, ist er nicht der erste, der so ein Buch schreiben soll.
Wieder kommt auch der Friedhof der vergessenen Bücher vor, dem auch das Buch entstammte, das den Schatten des Windes antreibt. Bei diesem Friedhof darf jeder Besucher ein Buch entleihen, und das richtige Buch findet den Besucher von selbst. Es ist aber auch möglich, gefährdete Bücher dort zu verstecken. Eine schöne Idee und ein gutes Beispiel für Zafóns Spiel mit Phantasie und erfundener Wirklichkeit.
Martin Habersaat, Februar 2011
