Unterrichtsversorgung in Stormarn
Personalversorgung
Die 17. Legislaturperiode begann im Oktober 2009. Das Schuljahr 2009/2010 begann am 1. September 2009. Die Bemessung der Personalversorgung für das Schuljahr 2009/2010 stammt folglich aus dem Februar/März 2009. Die Lehrerversorgung mit einem Plus von 1.200 Lehrkräften im Rahmen des Doppelhaushaltes 2009/2010 verdanken Schleswig-Holsteins Schulen noch den Absprachen aus der Großen Koalition. Ressortchefin war seinerzeit Ute Erdsiek-Rave (SPD). Es ist schon wundersam, wenn ausgerechnet mit Herrn Koch und Herrn Wiegard zwei Beteiligte der Haushaltsstrukturkommission, die massiv in die Lehrerversorgung eingegriffen haben mit der Streichung von 600 Lehrerstellen im Doppelhaushalt 2011/12, nun die gute Unterrichtsversorgung feiern.
Ein Teil der heute positiv wirkenden Zahlen lastet auch auf den Rücken der Lehrerinnen und Lehrer, deren Unterrichtsverpflichtung um eine Stunde erhöht wurde, was natürlich zu einer rechnerisch besseren Unterrichtsversorgung führt, aber eher nicht zu besserem Unterricht.
Unterrichtsausfall
Im Schuljahr 2010/11 ist an den Gymnasien in Schleswig-Holstein so viel Unterricht ausgefallen wir lange nicht mehr. Auch im Kreis Stormarn wurde ein hoher Wert erreicht: In diesem Schuljahr fielen 3,12% der Stunden aus, im Schuljahr 2009/10 waren es noch 2,74%. Das Ministerium rechtfertigt das mit einem „steigenden Bedarf an Fortbildungen" - allerdings ohne dass es in diesem Zeitraum tatsächlich eine Fortbildungsoffensive gegeben hätte.
In diese Statistik finden übrigens nur solche Stunden Eingang, in denen die Schülerinnen und Schüler tatsächlich nach Hause gehen. Vertretungsstunden oder EVA (Eigenverantwortliches Arbeiten) tauchen hier nicht auf.
Umgang mit den Gemeinschaftsschulen
Den Gemeinschaftsschulen, deren Grundidee das längere Gemeinsamen lernen ist, wurden 50% der Stunden gestrichen, die sie für Differenzierungsmaßnahmen und ihr pädagogisches Konzept aufwenden konnten. Außerdem stehen für Integrationsklassen, in denen Kinder mit besonderem Betreuungsbedarf beschult werden, weniger Stunden zur Verfügung. Auch die Entwicklung der Klassenfrequenzen zeigt, dass die Regierung die Gemeinschaftsschulen diskriminiert. Während in der Sekundarstufe I an Gymnasien die Klassenfrequenzen um immerhin 0,3 Schüler zurückgegangen sind, sind sie an den Gemeinschaftsschulen um 0,7 gestiegen. Wenn wir Klassen haben, die irgendwann zur Hochschulreife führen sollen, die aber über längere Zeit hinweg mit mehr als 30 Schülern operieren müssen, wird das schon sehr schwierig, für die Schüler wie für die Lehrer. Die Politik, die hinter diesen Streichungen steht, wird deutlich, wenn man sich vergegenwärtigt, dass die schwarz-gelbe Koalition 2010 gleichzeitig die Möglichkeit „abschlussbezogener Klassenverbände" im Schulgesetz verankert hat.
Fazit: An den Schulen dürfte wenig Verständnis für das idyllische Bild herrschen, das in diesem Bericht zur Unterrichtsversorgung gemalt wird. Das soll nicht heißen, dass sozialdemokratische Bildungspolitik es mit anderen Haushaltszahlen zu tun hätte, allerdings würde mehr Ehrlichkeit der Debatte sicher gut tun.
