Menschen mit Behinderung als Dozenten

Besuch Drachensee
Besuch Drachensee

Projekt Inklusive Bildung der Stiftung Drachensee: Viele unterschiedliche Organisationen sind gefordert, Inklusion umzusetzen. In der Theorie ist das leicht gesagt, in der Praxis häufig schwer umgesetzt. Einen ganz naheliegenden Beitrag zur Inklusion in der Aus- und Weiterbildung möchte das Projekt Inklusive Bildung bieten: Statt über Menschen mit Behinderungen zu reden, wird die Expertise in eigener Sache von Menschen mit Behinderungen vermittelt, die drei Jahre lang zu Bildungsfachkräften qualifiziert wurden. Dieser Ansatz der Stiftung Drachensee findet inzwischen weit über Schleswig-Holstein hinaus Interesse. Jetzt war Johanne Modder, die Vorsitzende der SPD-Landtagsfraktion in Niedersachsen, zu Besuch in Kiel, um sich über das Projekt zu informieren. Begleitet wurde sie von Martin Habersaat. Der Landtagsabgeordnete aus Reinbek ist stellvertretender Vorsitzender der SPD-Landtagsfraktion Schleswig-Holstein. Sie ließen sich von Stiftungsvorstand Klaus Teske, Projektleiter Jan Wulf-Schnabel und den fünf Bildungsfachkräften in Sachen Inklusion informieren.

Das Projekt Inklusive Bildung verfolgt drei Ziele: Qualifizierung, Inklusion in der Bildungslandschaft und Bildungsaufträge für sichere Beschäftigungsverhältnisse. Damit Menschen mit Behinderungen eine gute Bildungsarbeit leisten können, ist eine Qualifizierung mit hoher Qualität erforderlich. Die Referenten sollen unmittelbar selbst Wissen über ihre Lebenslagen und Lebensweisen vermitteln können. Das Projekt Inklusive Bildung verfolgt konsequent den Grundsatz: „Nicht über uns ohne uns.“ Es möchte das Bewusstsein für die Fähigkeiten von Menschen mit Behinderungen schärfen und deshalb deren Expertise in eigener Sache in den relevanten Ausbildungs- und Studiengängen der Fach- und Hochschulen verankern, kooperiert wird dabei mit Fachschulen, Hochschulen und dem Ministerium für Soziales, Gesundheit, Wissenschaft und Gleichstellung des Landes Schleswig-Holstein.

Die Bildungsarbeit der erfolgreich qualifizierten Menschen mit Behinderungen soll Anerkennung finden. Dazu gehört auch die Frage, wie Lehrleistungen, auch in der Fortbildung von Führungskräften, zu vergüten sind. Das Projekt Inklusive Bildung möchte langfristig existenzsichernde, unbefristete, allgemein-sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze schaffen und muss dafür auch eine Assistenz für die Menschen mit Behinderung gewährleisten. Dabei ist eine Fülle sozialrechtlicher, arbeitsrechtlicher und finanzieller Aspekte zu prüfen. Im Zentrum der Prüfung dieses ambitionierten Zieles müssen die Lebensqualität und eine sichere Perspektive der Menschen mit Behinderungen stehen.

„Dieses Projekt hat Modellcharakter“, findet Martin Habersaat. Er sei gespannt darauf, wie die Beschäftigungslage der Referenten nach Abschluss der Qualifizierungsphase sich entwickle. Bisher sehe es nach einem vollen Kalender aus. Dass es schon vorher zahlreiche Anfragen aus anderen Ländern gibt, wertet er als Zeichen für die „schlichte Brillanz“ dieser Idee.

 

Foto: Martin Habersaat, Thilo Scholz (Bildungsreferent SPD-Landtagsfraktion Niedersachsen), Klaus Teske, Jan Wulf-Schnabel, Johanne Modder, Sara Lemm (Projektmitarbeiterin).