Bildungsdialog zur „Berufsbildung 4.0“

Prof. Esser
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Bildungsministerin Ernst: „Ausbildung muss mit Veränderungen der Arbeitswelt  Schritt halten“

Mehr als 150 Gäste aus Schulen, Gewerkschaften, Wirtschaft, Kommunen und  Arbeitsverwaltung kamen auf Einladung des Bildungsministeriums in das Regionale Berufsbildungszentrum Wirtschaft nach Kiel, um über die Zukunft der dualen Ausbildung zu beraten. Mit dabei war auch Martin Habersaat, Landtagsabgeordneter aus Reinbek und bildungspolitischer Sprecher der SPD-Landtagsfraktion. „Wir alle wissen um die Stärke unseres dualen Ausbildungssystems. Doch die Berufswelt ändert sich gerade in jüngster Zeit  unter dem Eindruck von Globalisierung und Digitalisierung rasant und wir müssen uns fragen, wie wir die Ausbildung  gestalten müssen, damit sie auch in Zukunft hochwertig ist und einen guten Übergang von der Schule in das Erwerbsleben sicher stellen kann“, sagte Bildungsministerin Britta Ernst in ihrer Begrüßungsrede.

„Die Beruflichen Schulen und Regionalen Berufsbildungszentren sind wichtige Standortfaktoren in den Regionen“, betonte die Ministerin. Zurzeit könnten in Schleswig-Holstein 248 Ausbildungsberufe erlernt werden. Hinzu kämen 35 Sonderausbildungen für Menschen mit Behinderungen. Für 95 Berufe gebe es Landesberufsschulen und 65 Berufe würden in Bezirksfachklassen unterrichtet. Der Kreis Stormarn ist Träger von zwei beruflichen Schulen, in Ahrensburg und Bad Oldesloe.

Um die Vielfalt und Qualität der Angebote weiterhin sicher zu stellen, werde auch über eine neue Organisationsstruktur der Beruflichen Bildung in Form eines Schleswig-Holsteinischen Instituts für Berufliche Bildung (SHIBB) diskutiert. „Die Aufgabe eines SHIBB wäre es, die Qualität der Beruflichen Bildung zu stärken und notwendige Innovationen voranzutreiben, damit die Berufliche Bildung mit den Entwicklungen in der Arbeitswelt mithält“, sagte Britta Ernst. Martin Habersaat: „In der November-Tagung des Landtags werden wir einen Antrag zu diesem Thema beraten und der Landesregierung für diesen Weg ein starkes Votum mitgeben.“

Experten aus der Beruflichen Bildung und der Wirtschaft erläuterten die unterschiedlichen Aspekte des Themas. So gab der Präsident des Bundesinstituts für Berufsbildung, Prof. Friedrich Hubert Esser in seinem Einführungsvortrag unter der Überschrift „Von Menschen und Maschinen“ einen Überblick über die Chancen und Risiken der Digitalisierung der dualen Berufsausbildung. Er beschrieb die zunehmende Vernetzung von Produktionsprozessen ebenso wie den Wandel der Arbeitswelt. Zwar gingen an einigen Stellen durch die Digitalisierung Arbeitsplätze verloren, es entstünden an anderer Stelle aber neue in Vergleichbarer Zahl.“Die Digitalisierung kann uns sogar helfen, die Berufliche Bildung noch attraktiver zu machen“, bilanzierte Esser.

Anschließend beantwortete der Geschäftsführer Nordmetall, Peter Golinski, die Frage, inwieweit die Unternehmen innovative Ausbildungsmodelle für künftige Qualifikationsanforderungen benötigen und der stellvertretende Vorsitzende des DGB Nord, Ingo Schlüter, äußerte sich zum Thema „Berufliche Bildung als Fundament der Fachkräftesicherung“ und ging auf die unterschiedliche Wahrnehmung der beruflichen Bildung ein, die mal als „Akademisierungswahn-Opfer“ und mal als Exportschlager betrachtet werde. Anschließend diskutierten die Vertreterinnen und Vertreter von Eltern, Schülerinnen und Schülern, Lehrkräften, aus Wirtschaft, Politik und unterschiedlichen Verbänden und Interessenvertretungen in mehreren Foren über die Herausforderungen von Globalisierung und Digitalisierung für die Berufliche Bildung.

Foto: Prof. Friedrich Hubert Esser, Präsident des Bundesinstituts für Berufsbildung