„Ehrgeizige Ziele, Schwerpunkt für die nächsten Jahre“

Foto: Digitales Lernen 2016
Foto: Digitales Lernen 2016

KMK beschreibt Standards für digitales Lernen:

In der Ständigen Konferenz der Kultusminister der Länder in der Bundesrepublik Deutschland (KMK) arbeiten die Ministerinnen und Minister zusammen, um gemeinsames Handeln der Länder in  Bildung, Wissenschaft und Kultur abzustimmen. Es geht darum, durch Konsens und Kooperation für die Lernenden, Studierenden und Lehrenden Mobilität zu sichern und zur Gleichwertigkeit der Lebensverhältnisse in ganz Deutschland beizutragen. Jetzt hat die KMK eine umfassende Strategie zur Bildung in der digitalen Welt erarbeitet, die übergreifende Ziele formuliert und konkrete Verfahrensvorschläge macht. Beispielsweise soll in den weiterführenden Schulen bis 2021 jede Schülerin und jeder Schüler jederzeit, wenn es aus pädagogischer Sicht im Unterrichtsverlauf sinnvoll ist, eine digitale Lernumgebung und einen Zugang zum Internet nutzen können. Es seien ehrgeizige Ziele formuliert wurden, inhaltlich sei der KMK ein „großer Wurf“ gelungen, findet Martin Habersaat, Reinbeker Landtagsabgeordneter und bildungspolitischer Sprecher der SPD-Landtagsfraktion. Auch Schleswig-Holstein sei hier auf einem guten Weg. Der schleswig-holsteinische Bildungsstaatssekretär Dirk Loßack hatte die KMK-Lenkungsgruppe geleitet.

Welche digitalen Kompetenzen müssen junge Menschen in Schule, Ausbildung und Studium heute und in Zukunft erwerben, um ihr berufliches und soziales Leben gestalten zu können? Antworten auf diese und weitere Herausforderungen gibt die Kultusministerkonferenz in ihrer Strategie Bildung in der digitalen Welt. Die KMK selbst beschreibt das Papier als „Handlungskonzept für die Gestaltung einer der größten gesellschaftlichen Herausforderungen unserer Zeit“. Der Verabschiedung der Strategie mit klar formulierten Zielen und der gemeinsamen Ausrichtung aller 16 Länder ging ein intensiver transparenter Abstimmungsprozess voraus, in den die Expertise aus Wissenschaft, Verbänden, Arbeitgebern und Gewerkschaften maßgeblich eingeflossen ist“, erklärte die Präsidentin der Kultusministerkonferenz und Bremer Senatorin für Kinder und Bildung, Dr. Claudia Bogedan.

Digitale Medien halten ein großes Potential zur Entwicklung und zum Einsatz neuer Lehr- und Lernprozesse bereit, heißt es bei der KMK. Sie tragen dazu bei, Schülerinnen und Schüler individuell noch besser zu fördern und damit Anstrengungen für mehr Chancengerechtigkeit durch Bildung zu unterstützen.

 

Die fünf nächsten Schritte zur Umsetzung des digitalen Lernens:

  1. Die Länder verankern in den Bildungsplänen der verschiedenen Unterrichtsfächer die angestrebten digitalen Medienkompetenzen der Schülerinnen und Schüler als Bildungsziele. Digitale Kompetenzen werden damit zum integrativen Teil der Fachcurricula aller Fächer.
  2. Bund, Länder und Schulträger bauen eine funktionssichere und leistungsfähige digitale Infrastruktur für Schulen sowie Schülerinnen und Schüler auf.
  3. Die Länder arbeiten Aus- und Fortbildungsprogramme für die Lehrerinnen und Lehrer aus und setzen diese um. Gemeinsam müssen Länder und Bund zudem zahlreiche rechtliche Fragen des Datenschutzes und des Urheberrechtes klären.
  4. Die Länder müssen zudem in der Zusammenarbeit mit Fachleuten aus dem Bereich digitaler Medien wie zum Beispiel Software-Entwicklern und Schulbuchverlagen die Entwicklung und Gestaltung anwenderfreundlicher und für den Unterricht geeigneter Lernprogramme voranbringen.
  5. Zuletzt gilt es, digitales Lernen in Schule und Unterricht mit digitalen Lernplattformen und digitaler Schulverwaltungssoftware zu verbinden.

 

Im schulischen Teil der Strategie formuliert die Kultusministerkonferenz einen Kompetenzrahmen verbindlicher Anforderungen für die Bildung in der digitalen Welt. Habersaat: „Viele Elemente kennen wir auch aus der analogen Welt. Die kritische Bewertung einer Quelle sollte zum Beispiel schon immer Teil des Geschichtsunterrichts gewesen sein. Anderes ist neu – man sollte beispielweise wissen, warum bestimmte Algorithmen bei Facebook dafür sorgen, dass man dort eher auf Verstärkungen eigener Meinungen trifft als auf widersprüchliche Positionen.“ Die Umsetzung dieses Rahmens werde einen bildungspolitischen Schwerpunkt der Länder in den kommenden Jahren darstellen. Ziel ist dabei, dass alle Schülerinnen und Schüler, die zum Schuljahr 2018/19 in die Grundschule eingeschult werden oder in die Sekundarstufe I eintreten, bis zum Ende der Pflichtschulzeit die in diesem Rahmen formulierten Kompetenzen erwerben sollen. Diese für die Strategie zentrale Maßnahme soll somit ab 2026 umgesetzt sein.

 

Der Rahmen umfasst sechs Kompetenzbereiche:

  1. Suchen, Verarbeiten und Aufbewahren (z.B.: Relevante Quellen identifizieren und zusammenführen, Informationsquellen analysieren und kritisch bewerten)
  2. Kommunizieren und Kooperieren (z.B.: Digitale Werkzeuge für die Zusammenarbeit bei der Zusammenführung von Informationen, Daten und Ressourcen nutzen)
  3. Produzieren und Präsentieren (z.B. Inhalte in verschiedenen Formaten bearbeiten, zusammenführen, präsentieren und veröffentlichen oder teilen)
  4. Schützen und sicher Agieren (z.B. Maßnahmen für Datensicherheit und gegen Datenmissbrauch berücksichtigen)
  5. Problemlösen und Handeln (z.B. Eigene Defizite bei der Nutzung digitaler Werkzeuge erkennen und Strategien zur Beseitigung entwickeln, aber auch: Algorithmische Strukturen in genutzten digitalen Tools erkennen und formulieren)
  6. Analysieren und Reflektieren (z.B.: Die Bedeutung von digitalen Medien für die politische Meinungsbildung und Entscheidungsfindung kennen und nutzen)

 

Habersaat: „Digitalisierung berührt alle Lebensbereiche, verändert das Lernen und muss deshalb vom Bildungssystem planvoll berücksichtigt werden. Die Digitalisierung erfordert Kompetenzen, deren Vermittlung genauso Aufgabe der Schule ist wie die der Kerntechniken Lesen, Schreiben und Reden. Die Umsetzung an den Schulen muss aber in solchen Schritte passieren, die alle Lehrerinnen und Lehrer mitgehen können.“ Die Weiterqualifizierung der Lehrerinnen und Lehrer, die schon im Schuldienst sind, habe eine hohe Priorität. Das IQSH (Institut für Qualitätsentwicklung an Schulen Schleswig-Holstein) hat Aus- und Fortbildungsbausteine entwickelt, und es wurden die Möglichkeiten der Schulen gestärkt, sich selbst schulinterne Weiterbildungen zu organisieren.

Schleswig-Holsteins Bildungsministerin Britta Ernst habe gut daran getan, das Thema „Lernen in einer digitalen Gesellschaft“ zu einem Schwerpunkt ihrer Arbeit zu machen. Ein Projekt mit 20 Modellschulen in Schleswig-Holstein (aus Stormarn und dem Kreis Herzogtum Lauenburg waren die Emil-Nolde-Schule Bargteheide, die Stormarnschule Ahrensburg sowie die Grundschule Müssen dabei) steht kurz vor dem Abschluss. Unter anderem wurden Medienberaterinnen und -berater geschult und Projekte an Förderzentren unterstützt. 2017 startet die nächste Phase. Unabhängig davon haben sich viele Schulen und Schulträger bereits selbst auf den Weg gemacht. Habersaat: „Schleswig-Holstein ist außerdem bereits dabei, binnen weniger Jahre alle Schulen ans Glasfasernetz zu bringen und die technischen Voraussetzungen für neue Angebote an den Schulen zu schaffen.“

 

Die KMK-Strategie „Bildung in der digitalen Welt“:
https://www.kmk.org/fileadmin/Dateien/pdf/PresseUndAktuelles/2016/Bildung_digitale_Welt_Webversion.pdf

 

Digitales Lernen in Schleswig-Holstein:
https://www.schleswig-holstein.de/DE/Themen/D/digitales_lernen.html

 

Foto: Veranstaltung der SPD-Landtagsfraktion zum digitalen Lernen 2016 – v.L. Dr. Annekatrin Bock (Georg Eckert Institut für internationale Schulbuchforschung),  Martin Habersaat (MdL, Reinbek), Britta Ernst (Bildungsministerin), Kai Vogel (MdL, Pinneberg), Nico Lumma (Netzpolitiker und Kolumnist)