Unsere Fachhochschulen – viele Erfolgsstories

1701_FH Rede
1701_FH Rede

Landtagsrede zur Großen Umfrage zu Stand und Entwicklung der staatlichen Fachhochschulen (Drs-Nr. 18/4287). Die Rede als Video: http://m7k.ltsh.de/embed.php?b=1485430035&e=1485430612

Wissen Sie zufällig, was eine ammattikorkeakoulu ist? Das bedeutet auf Finnisch „Schule für höhere Berufsbildung“. Finnland gehört zu den relativ wenigen Ländern in Europa, die eine ähnliche Trennung zwischen Universitäten und Fachhochschulen haben wie Deutschland. Es ist auch gar nicht so einfach, den Begriff der Fachhochschule so in andere Sprachen zu übersetzen, dass man damit keine Missverständnisse auslöst. Unsere Fachhochschulen haben sich deshalb überwiegend dafür entschieden, sich den englischen Namenszusatz „University of Applied Sciences“ beizufügen. Allerdings vertreten wichtige Stimmen in der „FH-Szene“ auch die interessante These, dass „Fachhochschule“ ein ebenso bekanntes wie anerkanntes und erhaltenswertes  Qualitätssiegel ist. In der Öffentlichkeit ist es noch immer so, dass der Blick auf das Hochschulsystem zunächst auf die Universitäten fällt und erst dann auf die vermeintlich wenigen anderen. Dass das schon quantitativ nicht passt, belegt die einfache Tatsache, dass wir hier über mehr als 17.000 Studierende an mehr als hundert Studiengängen sprechen. Oder der Umstand, dass die Fachhochschule Kiel nach der Zahl ihrer Studierenden die zweitgrößte Hochschule des Landes ist. Die Küstenkoalition wollte den Blick der Öffentlichkeit deshalb auf unsere Fachhochschulen lenken und hat eine Bestandsaufnahme in Form einer Großen Anfrage erbeten. Für die Antwort bedanke ich mich bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Ministerien, der Hochschulen und des Statistischen Landesamts.

Die Antwort zeigt, dass wir in Schleswig-Holstein auf dem richtigen Weg sind. Seit 2010 konnten die Grundhaushalte der FHen um rund ein Viertel angehoben werden. Und nachdem die Mittel für den Baubereich von 2011 auf 2012 nahezu halbiert wurden, sind sie seit 2014 wieder um fast 5 Millionen € angestiegen. Das ist gut investiertes Geld – wie man an laufenden und anstehenden Bauprojekten vielerorts sehen kann. Ein Beispiel: Der Fachbereich Agrarwirtschaft der Fachhochschule Kiel, der in Osterrönfeld liegt, bekommt für rund 2,6 Millionen Euro ein neues Labor- und Seminargebäude. Ein anderes Beispiel ist das im letzten Jahr endlich verbindlich beschlossene und dringend benötigte dreigeschössige Seminargebäude für die FH Lübeck mit Gesamtbaukosten in Höhe von 7,8 Mio. Euro. Unsere Fachhochschulen leisten seit vielen Jahren Großes im Bereich der Diversity und der Inklusion. Das sind weder Sahnehäubchen noch ideologische Irrwege, sondern es geht um die Studierbarkeit und damit um die Ausschöpfung unserer Bildungspotentiale. Das bezieht die Belange von Menschen mit Behinderungen ebenso ein wie die mit nicht deutscher Muttersprache, diejenigen, die familiäre Verantwortung mit den Anforderungen des Studiums vereinbaren müssen, wie die, die als erste in ihrer Familie ein Hochschulstudium beginnen. In diesem Zusammenhang möchte ich auch das wichtige Engagement von und die gute Zusammenarbeit mit ArbeiterKind.de hervorheben. Die Erfolge unserer Fachhochschulen  werden auch bundesweit anerkannt, so im Rahmen des CHE-Rankings, wo unsere Fachhochschulen mit den Studiengängen Betriebswirtschaft und Maschinenbau  bei verschiedenen Kriterien in der Spitzengruppe vertreten sind. Unsere Fachhochschulen haben ihre Studiengänge so organisiert, dass nach der mittlerweile üblichen Kennziffer Regelstudienzeit plus zwei Semester die große Mehrheit der Studierenden ihren Bachelorabschluss innerhalb dieser acht Semester erreicht hat, den Master sogar nahezu vollständig innerhalb der sechs Semester. Wir haben hier bei verschiedenen Gelegenheiten darüber diskutiert, welche Gründe es dafür gibt, dass Studierende die Regelstudienzeit deutlich überschreiten oder ihren ursprünglich gewählten Studiengang, wenn nicht gar das Studium insgesamt, abbrechen. Es gibt hier so vielfältige Gründe, dass sich einfache Strategien verbieten. Drei Dinge sind aber unerlässlich:

Den Studieninteressenten muss bereits vor der Erstimmatrikulation die Gelegenheit gegeben werden, sich über Inhalte und Anforderungen des Studiengangs klar zu werden. Deshalb ist es wichtig, dass unsere Fachhochschulen gute Angebote vor Studienbeginn bereithalten.

Studierende müssen kurzfristig Zugriff auf Beratungen haben, die ihnen helfen, die „Durststrecken“ im Studium zu überwinden. Dabei helfen die an Fachhochschulen oft kurzen Wege zwischen Studierenden und Lehrenden, aber auch institutionalisierte und professionalisierte Angebote.

Die Hochschuldidaktik muss stetig weiterentwickelt werden, ihre Erkenntnisse müssen den Weg in die Hochschulpraxis finden. Die Angebote an hochschuldidaktischen Seminaren werden deshalb stetig ausgeweitet und hoffentlich auch genutzt.

Eine Baustelle, an der wir für alle Hochschulen, besonders aber für die Fachhochschulen weiterarbeiten müssen, ist der nach wie vor sehr geringe Anteil an Professorinnen. Für die Fachhochschulen insgesamt liegt er seit 2010 bei etwa 13 bis 14 Prozent, aber steigert sich kaum noch. Das gilt natürlich auch für Funktionen in der Selbstverwaltung. Heute ist Frau Helbig in Lübeck noch ein Ausnahmefall als weibliche FH-Präsidentin. Unsere staatlichen Fachhochschulen haben intensive Kooperationen mit anderen Hochschulen und wissenschaftlichen Einrichtungen im Ausland aufgebaut mit einer Bandbreite von der Karibik bis zum Kaukasus – und natürlich Finnland. Dieses internationale Agieren hat auch damit zu tun, dass sie attraktiv für ausländische Studierende, gerade aus asiatischen Ländern, sind. Kiel, Lübeck und Heide arbeiten u.a. mit verschiedenen Hochschulen in China eng zusammen, das als Wirtschaftspartner Deutschlands auch in Zukunft immer wichtiger werden wird. Die FHen sind natürlich prädestiniert für den Technologietransfer mit der örtlichen und regionalen Wirtschaft. Hier werden allein an der FH Kiel jährlich rund 10 Millionen € bewegt. Wir haben bei der letzten Novellierung des Hochschulgesetzes die Möglichkeit geschaffen, über Promotionskollegs auch den FH-Studierenden den Weg zum Doktortitel zu öffnen. Das Promotionskolleg ist noch in der Gründungsphase, und wir werden uns in der nächsten Legislaturperiode darüber freuen können, dass die ersten Absolventen unserer Fachhochschulen ihren Doktor feiern können.

Aber gerade wegen dieser vielen Erfolgsstories ist es wichtig, dass sich der Landtag auch in der nächsten Legislaturperiode mit den Stärken und den Schwächen der Entwicklung unserer Fachhochschulen auseinandersetzt und nach Wegen sucht, bei den Defiziten politisch nachzusteuern.

 

Wir haben für die Zeit bis 2022 eine lange hochschulpolitische Agenda:

Wir wollen den ersten FH-Absolventen zu ihrer Promotion gratulieren.

Wir wollen gemeinsam mit dem Bund die laufenden Hochschulpläne  planungssicher fortschreiben.

Wir wollen speziell für die deutschen Fachhochschulen eine Bundesinitiative erreichen, die mit der Exzellenzinitiative für die Universitäten korrespondiert.

Wir wollen die Profilbildung der Fachhochschulen unterstützen.

Wir wollen die internationale Sichtbarkeit unserer Fachhochschulen verstärken; dazu gehören auch mehr englischsprachige Studienangebote.

Wir wollen den Investitionsstau an den Hochschulen weiter abbauen.

Wir wollen die Digitalisierung der Hochschulen und den Open Access weiter stärken.

Wir wollen den Frauenanteil unter den Professoren erhöhen.

 

Ich bitte Sie, die Antwort der Landesregierung auf die Große Anfrage in den Bildungsausschuss zu überweisen.

Zur Stärkung der deutsch-finnischen Wissenschaftsbeziehungen: Kiitos mielenkiinnostanne!