Die historischen Kirchen auf Eiderstedt

Martin Habersaat im Glockenturm
Martin Habersaat im Glockenturm

Jamaika lässt kulturelles Erbe verrotten:

Die historischen Kirchen auf Eiderstedt sind vom Verfall bedroht. In mehreren dieser Kirchen wurden bereits vorläufige Sicherungsmaßnahmen wie der Einbau großer Stahlstangen in Oldenswort und von Stützpfeilern in Kotzenbüll ergriffen, um einen Einsturz dieser Kirchen zu verhindern. Eine Bestandsaufnahme aus dem Jahr 2017 hat ergeben, dass auf 14 Kirchendächern rund 100.000 neue Schieferplatten ausgebracht werden müssen, weil die seinerzeit verwendeten Nägel durchgerostet sind. Mehrere 100.000 Meter Mauerfugen müssen mit rund 3.000 Zentnern Muschelkalk geschlossen werden. Insgesamt müssen ca. 50.000 Mauersteine ersetzt werden. Zur Restauration müssen alte Kirchenfenster zeitweilig entfernt werden. Zumindest in Oldenswort und Kotzenbüll sind erhebliche Maßnahmen an den Fundamenten erforderlich, um einen Einsturz zu verhindern.

Der größte Teil der 18 evangelischen Kirchen wurde bereits im 12. Jahrhundert errichtet. Damals bestand Eiderstedt aus einzelnen Inseln, daher die hohe Dichte an Kirchen. Die Kirchen sind alle noch ‚in Betrieb‘, ihre Zahl und ihre Größe ist von den Gemeinden vor Ort allerdings kaum zu tragen. Die Rettung des Kirchenensembles auf Eiderstedt wird etwa 18,65 Mio. Euro kosten. Eine Förderung von 50 Prozent der Summe wurde durch den Haushaltsausschuss des Bundestags bereits bewilligt. Martin Habersaat, kirchenpolitischer Sprecher der SPD-Landtagsfraktion: „Wir haben nicht so wahnsinning viel historische Bausubstanz in Schleswig-Holstein, deshalb sieht die SPD auch das Land in der Verantwortung, dieses Ensemble zu erhalten. Wir wollen der Kirche und den Gemeinden helfen, die andere Hälfte zu schultern.“

Leider hat die Jamaika-Koalition einen entsprechenden Haushaltsantrag der SPD abgelehnt. Habersaat: „Ein großer Teil der Jamaika-Koalitionäre hat die Rettung der Kirchen abgelehnt, ohne diese überhaupt zu kennen. Bedauerlich.“ Noch sei es aber nicht zu spät, er hoffe auf die Kräfte, die die Nordkirche bei der Rettung entfalte, auf einen Erfolg der Spendenaktion und letztlich auch auf ein Einsehen der Jamaika-Koalition.

Fotos: Der Arbeitskreis Bildung der SPD-Landtagsfraktion hatte in Begleitung der Leitung des Evangelisch-Lutherischen Kirchenkreises Nordfriesland im Sommer einige der Kirchen.

 

Zur Spendenaktion:  https://eiderstedter-schutzengel.de/