Bildung für das 21. Jahrhundert

Kreisparteitag in Itzstedt

Es geht um Chancengerechtigkeit, Leistungsfähigkeit und Wohlbefinden.

Rede vor dem Kreisparteitag der SPD Segeberg am 22. Juni 2019.

 

Liebe Genossinnen und Genossen,

 

vielen Dank für die Einladung und für euren Einsatz, einen Samstagvormittag der Entwicklung unseres Bildungssystems zu widmen.

 

Anfangen möchte ich mit vier Zitaten:

 

  1. „Der Staat hat dafür zu sorgen, dass alle den gleichen Zugang zu Bildung haben, unabhängig von ihrer Herkunft. Jeder Mensch hat das Recht auf einen gebührenfreien Bildungsweg von Krippe und Kindergarten bis zur Hochschule. Wir wollen es verwirklichen. Ausgrenzung durch mangelnde Bildungschancen ist Unrecht.“

 

  1. „Kindertagesstätten dienen nicht nur der Betreuung, sondern auch der Bildung. Wir wollen sie zu Eltern-Kind-Zentren ausbauen, in denen Familien Beratung, Weiterbildung und verlässliche Hilfe im Alltag finden. Dort können auch, nicht zuletzt durch Sprachförderung, herkunftsbedingte Benachteiligungen ausgeglichen werden.“

 

  1. „Über Bildungswege und -chancen wird in unserem Bildungssystem zu früh entschieden. Wir werben daher für ein Schulsystem, in dem Kinder so lange wie möglich zusammen und voneinander lernen. Dies ist am besten zu erreichen in einer gemeinsamen Schule bis zur zehnten Klasse.“

 

  1. „Wir wollen die Ganztagsschule ausbauen – als Ort des Lernens und des sozialen Miteinanders. Sie wird neben der Familie zu einem Lebensmittelpunkt von Kindern und Jugendlichen. Eltern werden entlastet, Kinder können ihre Stärken entdecken und entwickeln. Die Ganztagsschule ist in ein soziales Umfeld eingebettet, dazu gehören Betriebe, Sportvereine, Musikschulen, Volkshochschulen oder Träger der freien Jugendhilfe und Kirchen.“

 

Das waren alles Auszüge aus dem Hamburger Programm der SPD von 2007.

Gar nicht so falsch.

 

Manches von dem haben wir erreicht, vieles aber auch noch nicht. Grundsatzprogramme sind ja auch als Richtschnur für längere Zeiträume gedacht.

 

Wie ist nun die Lage in Schleswig-Holstein?

 

 

  1. Kita

 

Einen Bildungsauftrag haben die Kitas in Schleswig-Holstein seit 2004, für dessen Umsetzung gibt es Leitlinien (1). Der Ausbau der Plätze ist im bundesweiten Vergleich ordentlich. Als ich 1998 in Barsbüttel mit Kommunalpolitik angefangen habe, war es noch offizielle CDU-Position, nicht so viele Plätze anzubieten, weil man die Kinder ja bei ihren Müttern haben wolle. Da sind wir heute deutlich weiter – und sei es nur, weil die Kollegen von der CDU das nicht mehr laut sagen.

 

Derzeit diskutieren wir im Landtag eine Neuordnung der Kita-Finanzen.

Das könnte ich jetzt allein 30 Minuten erläutern und kommentieren. Ich beschränke mich auf wenige Punkte:

 

  • Für die Eltern soll es einen Kostendeckel geben. Ein Maximalbetrag, der auch künftig nicht steigen wird. Den das Land aber schrittweise Richtung Beitragsfreiheit absenken kann und sollte. Wo die Betreuungskosten heute schon oder nahe am Deckel liegen, kann es passieren, dass Eltern durch Wegfall des Kita-Geldes künftig mehr zahlen als bisher. (2)
  • Die Kommunen dachten, sie würden entlastet, als die Landesregierung ihnen versprochen hat, die Kommunen bei den Kita-Kosten zu entlasten. Was eher gemeint war: ab einem, Zeitpunkt in der Zukunft steigen die Ausgaben für die Kommunen nicht mehr.
  • Der Anteil des Landes an der Kita-Finanzierung bemisst sich künftig an einer Referenzkita. Diese Referenzkita hat eine bestimmte Gruppengröße, bestimmte Freistellungen für Leitungsfunktionen, Vorbereitungszeiten, Fortbildungszeiten usw. Allerdings werden in dieser Referenzkita Mindeststandards beschrieben. Die Diskussion in den Kommunen wird künftig um die Frage gehen, was mit den Dingen passiert, die es darüber hinaus gibt oder geben soll. Zahlt die Gemeinde dem Träger auch darüber hinausgehende Fortbildungskosten? Oder erklären Kita und Gemeinde den Eltern gemeinsam, dass es nun schlechter wird?
  • Letzter Punkt: Zusätzlich zum gedeckelten Beitrag zahlen Eltern weiterhin das Essen. Und wenn die Kita eine Hauswirtschaftskraft beschäftigt, wird diese – da quasi dem Essen zugehörig – auf die Kosten der Eltern umgelegt werden. Wir müssen also jeweils vor Ort genau ausrechnen: Was zahlen Eltern künftig? Welche Kosten verbleiben bei der Gemeinde? Und was ist mit Leistungen über die der Referenzkita hinaus?

 

 

  1. Schule

 

Was den Weg zum gemeinsamen Lernen angeht, sind wir in Schleswig-Holstein und Hamburg weiter als andere. Wir haben zwei Säulen nach der Grundschule, die beide bis zum Abitur führen können. In späteren Jahren kommt zu Gemeinschaftsschulen und Gymnasien mit den Beruflichen Schulen eine gleichberechtigte dritte Säule hinzu. Das war der Stand bis 2017. Die aktuelle Landesregierung betrachtet leider die Gymnasien als primäre Säule und die anderen Schularten als notwendige Auffangbecken. Hier müssen wir uns gegen Rückschritte stemmen.

 

Eine gemeinsame Schule von Klasse 1-10, wie im Grundsatzprogramm gefordert, hat nach dem gescheiterten Hamburger Versuch, die Grundschule zu verlängern, einen Dämpfer erlitten.

 

Vor rund 15 Jahren trommelten CDU und FDP für G8 an allen Gymnasien. Wir haben es dann irgendwann gemacht, erstens weil es fast alles anderen Bundesländer auch getan haben und zweitens weil wir mit G9 an den Gemeinschaftsschulen eine echte Wahlmöglichkeit geschaffen hatten. Nun, weil die CDU den richtigen Eindruck hatte, damit eine Landtagswahl zu gewinnen, ging es wieder zurück zu G9. Diese Diskussion sollten wir hinter uns lassen und den Blick auf qualitative Schulentwicklung legen.

 

Im Schulgesetz heißt es: „Die Schule soll dem jungen Menschen zu der Fähigkeit verhelfen, in einer ständig sich wandelnden Welt ein erfülltes Leben zu führen. Sie soll dazu befähigen, Verantwortung im privaten, familiären und öffentlichen Leben zu übernehmen.“

 

Eine große Aufgabe für unsere Schulen, die in einer ständig sich wandelnden Welt sicher auch stets weiterentwickelt werden müssen. Die Bildungsforscherin Anne Sliwka (3) schlägt für diese Entwicklung drei Ansatzpunkte vor, die ich für die Überschrift dieses Beitrags übernommen habe: Chancengerechtigkeit, Leistungsfähigkeit und Wohlbefinden

 

Chancengerechtigkeit

 

Bildungskosten

Wer Chancengerechtigkeit fördern will, muss die Bildungskosten in den Blick nehmen. Über die Kita habe ich schon gesprochen, aber obwohl es kein Schulgeld mehr gibt, ist auch der Schulbesuch ihrer Kinder für Eltern nicht günstig. 1000 Euro im Jahr müssen Eltern durchschnittlich bezahlen, wenn sie ein Kind in der Schule haben. Das hat ein Gutachten (4) im Auftrag der SPD-Grüne-SSW-Koalition in der vergangenen Legislaturperiode ergeben.

Im Bildungsausschuss haben wir seitdem in vielen Gesprächsrunden die einzelnen Teilbereiche dieser Kosten durchleuchtet, nach der Sommerpause werden wir zu den Konsequenzen kommen.

  • Die Sachausstattung der Schulen durch die Schulträger ist sehr unterschiedlich. Schon die Budgets für Schulbücher, Sportgeräte oder Musikinstrumente unterscheiden sich deutlich. Je mehr es in Richtung Digitales Lernen geht, desto größer werden die Unterschiede. Von dieser Ausstattung hängt aber ab, was Eltern noch für Bücher, Kopierkosten und Material bezahlen müssen. Bisher sind es knapp 150 Euro.
  • Knapp 200 Euro sind es für Ausflüge und Klassenfahrten. Wollen wir hier Regeln einziehen oder die Unterstützungsmöglichkeiten ausbauen? Bei der Klassenreise in die Nähe bleiben spart man Geld, fördert aber vielleicht nicht den Europäischen Gedanken.
  • 300 Euro im Monat kosten die Schülerbeförderung, das Schulessen und die Nachmittagsbetreuung. Hier sind Land, Kommune und Kreise gemeinsam gefordert.
  • In den meisten Kreisen, auch hier, müssen die Eltern derzeit keinen Eigenanteil an den Schülerbeförderungskosten zahlen – bis Klasse 10. In der Oberstufe zahlen die Eltern in den meisten Kreisen, auch hier, alles – lediglich die Kreise Plön und Rendsburg-Eckernförde übernehmen hier einen Teil der Kosten (5). Abitur kostet mehr – das sollte eigentlich nicht die sozialdemokratische Position sein.

 

Nachhilfe und Bildungsbonus

Ein zweiter Ansatzpunkt für mehr Chancengerechtigkeit ist der Ausgleich individueller Nachteile. Das betrifft zum einen die Schulen – künftig gibt es einen Bildungsbonus für Schulen mit besonderen Herausforderungen in schwierigen Lagen. 20 Schulen profitieren ab dem kommenden Schuljahr, weitere 40 kommen in den nächsten zwei Jahren dazu. Unter den ersten 20 waren noch keine aus dem Kreis Segeberg.

Auch auf die einzelne Schülerin und den einzelnen Schüler muss geguckt werden, innerhalb und außerhalb des regulären Unterrichts. Für Nachhilfe geben Eltern im Schnitt 100 Euro im Monat aus. Das werden wir als Staat nicht verhindern können, zumal es teilweise auch darum geht, den Notenschnitt von 2,1 auf 1,7 zu heben, um den Studienplatz an der Wunschhochschule zu erreichen. Wir müssen aber Angebote an den Schulen schaffen, die den Zwang zu privater Nachhilfe aushebeln. Förderstunden, Lehrersprechstunden, Summer-Schools oder Patenschaften durch Oberstufenschüler sind hier gute Wege, die schon an einzelnen Schulen gegangen werden.

 

Ganztag

Der wichtigste und teuerste Schritt auf dem Weg zu mehr Chancengerechtigkeit ist die Ganztagsschule. In der Zielperspektive muss es eine gebundene Ganztagsschule sein. Es geht nicht darum, vormittags den Unterricht wie bisher abzuhalten und nachmittags Freizeitangebote zu machen. Es wird darum gehen, den Schulalltag neu zu gestalten.

 

Eine Bildungskonferenz unserer Bildungsarbeitsgemeinschaft, der AfB, und der SPD-Landtagsfraktion hat im vergangenen Jahr 12 Wünsche zur Entwicklung der Ganztagsschule formuliert:

 

12 Wünsche zur Weiterentwicklung der Ganztagsschule

  1. In Ganztagsschulen hat man, auch jahrgangsübergreifend, mehr Zeit füreinander. Hier können Kinder und Jugendliche besser gefördert werden, sie erleichtern zudem die Vereinbarkeit von Familie und Beruf.
  2. Wo Kinder und Jugendliche mehr Zeit verbringen, kann Schule auch mehr leisten. Ganztagsschule kann mehr als bisher „Schule für alles“ sein. Auch Schuhe zubinden, Fahrrad reparieren und das Benehmen bei Tisch können bei Bedarf in und von der Schule vermittelt werden.
  3. Die Betreuung der Kinder und Jugendlichen muss auch an den anderen Tagen und in den Ferien gewährleistet sein. Die Schulen und ihre Angebote, beispielsweise mit ihrer digitalen Ausstattung, ihren Sportplätzen und Gärten, sollen auch oft dann zugänglich sein, „wenn keine Schule ist“.
  4. Mit leerem Magen lernt es sich schlecht. Ein gesundes und kostenfreies Mittagessen ist Teil der Ganztagsschule. Die Mittagspause soll lang genug und die Mensa groß genug sein, um in Ruhe essen zu können. Zuweilen sollen Schülerinnen und Schüler ihre Mahlzeiten auch selbst zubereiten, die Kartoffeln vielleicht selbst anbauen. Bei einem Fest am Schuljahresende bewirten die Schülerinnen und Schüler ihre Eltern.
  5. Die Ganztagsschule bietet Kindern und Jugendlichen nicht nur einen angemessenen Rahmen zum kognitiven und sozialen Lernen, sondern schafft auch Raum, um altersgemäße und entwicklungsspezifische Lebensbedürfnisse befriedigen zu können. Sie ist Lebensort mit Raum und Angeboten für Bewegung, Begegnung, Lernen, Spiel, Projekte und Erfahrungen.
  6. Es werden auch Verantwortungsbereiche für Schülerinnen und Schüler geschaffen, die z.B. als Mentoren, Assistenten, AG-LeiterInnen, Paten oder Fachleute (z.B. aus ihrem Hobby) Angebote für die Schulen schaffen bzw. unterstützen. Auch ein Trainerschein kann hier erworben werden. Eltern sind ebenfalls zur Mitarbeit eingeladen.
  7. Ein Teil der Zeit am Nachmittag dient der „Entzerrung“ des Vormittags. Die Lernphasen, Übungsanteile, Freizeit- sowie kulturelle Angebote werden auf den ganzen Tag verteilt. Neben unterrichtsergänzenden Angeboten gibt es Angebote zur individuellen Persönlichkeitsentwicklung und -stärkung. jede Schule hat einen Chor, eine Band, eine Theater AG…
  8. Die Ganztagsschule öffnet sich ihrem Lebensumfeld, holt Angebote von Außerhalb in die Schule, nimmt aber auch die Möglichkeiten von Lernen an anderen Orten wahr.
  9. Es ist besonders wünschenswert, dass die Ganztagsschulen in hohem Maße selbstständige Schulen sind, die gemäß der Zahl ihrer SchülerInnen und ihres Konzeptes einen Etat erhalten, den sie selbstständig verwalten und über ihren Personaleinsatz selbst entscheiden können.
  10. Eine zentrale Grundlage ist die Zusammenarbeit von Schule, Kinder- und Jugendhilfe, gemeinwohlorientierten Institutionen und Organisationen aus Kultur und Sport, Wirtschaft und Handwerk sowie weiteren außerschulischen Partnern.
  11. Auch Lehrkräfte werden mehr Zeit als bisher an der Schule verbringen. Das erfordert ausreichend große und gut ausgestatte Arbeits- und Pausenräume.
  12. Es gibt wenig Hausaufgaben, nach der Schule ist in der Regel frei. Übungen, Anwendungen zur Festigung des Gelernten oder Vorbereitungen finden fast immer in der Schule gemeinsam oder in stiller Einzelarbeit statt. Dafür gibt es die räumlichen Möglichkeiten.

 

Ein solches Ganztagsschulsystem wäre das Ende der Hortbetreuung. Es würde aber bedeuten müssen, dass die Qualität von Bildung und Betreuung im Ganztag deutlich verbessert werden müssen. Schon heute könnten die Kreise die Mittel des Landes für Horte auch an Ganztagsangebote an Schulen verteilen. Das tut man bisher nicht, weil dann für die Hortträger entsprechend weniger Geld da wäre.

 

Leistungsfähigkeit

Ja, auch Sozialdemokraten sind für Leistung. Da unterstellen uns die Konservativen manchmal Gegenteiliges. Allerdings hat sich bei uns die Erkenntnis durchgesetzt, dass intrinsische Motivation nachhaltiger ist als extrinsische. Und dass gerade Kinder und Jugendliche auch den richtigen Rahmen brauchen, um ihre besten Leistungen zeigen zu können.

 

Anne Sliwka schreibt: „Lernen im Jugendalter schwankt zwischen Interesse und Langeweile, Freude und Sorge, Begeisterung und Qual, Anerkennung und Demütigung sowie Erfolg und Versagen.“ Sie hält es für möglich, Schulen zu motivierenden und engagierenden Orten des Lernens und des Lebens umbauen. Wie das gehen kann, durfte ich mir vor zwei Wochen zum Beispiel bei der Evangelischen Schule Berlin-Zentrum ansehen. Jugendliche können begeistert lernen, aber das gelingt eher am Beispiel von „echten“ Aufgaben.

 

Noch einmal Anne Sliwka: „In unseren Schulen finden wir noch immer Praktiken und Traditionen vor, die vor mehr als 100 Jahren als Reaktion auf die Herausforderungen der damaligen Zeit entstanden sind. Zu lernen war Disziplin, um pünktlich zum Schichtwechsel da zu sein. Die Lehrkraft hatte das Wissensmonopol. Dieses Wissen wurde portioniert und kommuniziert, musste dann gelernt werden und wurde anschließend in Klausuren abgefragt. Unabhängig vom Ergebnis der Klausur, das mit Ziffernnoten von 1 bis 6 bewertet wurde, wandte sich die Lehrkraft dann der nächsten Unterrichtsthematik zu. Eine auf den einzelnen Schüler zugeschnittene Diagnostik und Förderung war nicht vorgesehen. Stattdessen gab es  Sitzenbleiben und Schulartwechsel.“

 

Noten sind ein Beispiel für extrinsische Motivation. Sie sind zudem eine Form der Leistungsbewertung, die wenig individuell wertschätzend ist und die keinerlei Ansatzpunkte für eine Verbesserung der eigenen Leistungen enthält.

 

Wohlbefinden

Leistung und Wohlbefinden hängen miteinander zusammen. Die Bildungsforschung sagt uns, dass vier Überzeugungen für erfolgreiches Lernen erforderlich sind:

  • Ich bin Teil einer Lerngemeinschaft, fühle mich zugehörig und unterstützt
  • Meine Kompetenzen wachsen durch die Bereitschaft, mich anzustrengen
  • Ich kann erfolgreich sein
  • Die schulische Arbeit ist für mich bedeutungsvoll

 

Die Sorge, von der Schule zu fliegen oder sitzenzubleiben, ist jedenfalls nicht leistungsfördernd.

 

Über Ganztagsschule habe ich schon gesprochen, dabei ist klar, das sich wohlfühlen den ganzen Tag über nicht in einem schlicht möblierten Klassenraum funktioniert.

 

Wir haben als SPD-Fraktion Vorschläge für die anstehende Reform der Oberstufe gemacht, die in die bestehende Richtung gehen. Nach der Rückkehr zu G9 wird man sich auch die Mittelstufe noch einmal ansehen müssen.

 

Über den Digitalpakt wird den Schulen im Land zumindest eine gute Erstausstattung für das Digitale Lernen finanziert werden. Zur Verfügung stehen rechnerisch ca. 450 Euro pro Schülerin und Schüler. Die Grundschule Warderfelde mit 82 Schülerinnen und Schülern bekäme 36.900 Euro, die Gemeinschaftsschule Friedrichsgabe mit 450 Schülerinnen und Schülern 202.500 Euro und das Städtische Gymnasium Bad Segeberg mit 793 Schülerinnen und Schülern 356.850 Euro.

 

Die Verwaltungsvereinbarung zwischen Land und Kommunen ist noch nicht fertig. Es ist denkbar, dass es einen Grundbetrag und einen kleineren Satz pro Schüler gibt, aber die Größenordnungen sind klar.

 

Meine Wünsche:

  • Jeder Schulträger muss so früh wie möglich wissen, wie viel Geld in welchem Zeitraum zur Verfügung steht.
  • Es dürfen nicht die Lehrerinnen und Lehrer sein, die für die Wartung der Technik verantwortlich sind (das ist im Digitalpakt auch eigentlich ausgeschlossen)
  • Die neuen technischen Möglichkeiten schaffen auch neue Optionen bei der Binnendifferenzierung und der individuellen Förderung von Schülerinnen und Schülern. Das geht aber nur, wenn die Mittel wirklich der Schulentwicklung geben und wenn nicht einfach nur irgendwelche Technik angeschafft wird und hinterher einstaubt.

 

 

III. Berufliche Bildung

 

Die Berufliche Bildung in Schleswig-Holstein ist in dieser Legislaturperiode ein Opfer der Koalitionsverhandlungen geworden. Die FDP brauchte noch ein Extra, und so wurde die Berufliche Bildung dem Wirtschaftsministerium zugeschlagen. Dann hätten wir Bildungsministeriumsschulen – Grundschulen, Förderzentren, Gymnasien und Gemeinschaftsschulen – und Wirtschaftsministeriumsschulen – Berufliche Schulen und Regionale Bildungszentren.

 

Vollzogen werden soll dieser Wechsel erst, wenn das SHIBB installiert ist. Das SHIBB ist ein Projekt von uns aus der letzten Legislaturperiode – das Schleswig-Holsteinische Institut für Berufliche Bildung. Das halten wir in der Sache noch immer für eine gute Idee. Gewerkschaften, Wirtschaftsverbände und andere sollen hier an der Gestaltung des beruflichen Bildungswesens beteiligt werden.

 

Ein zweites Projekt aus der letzten Legislaturperiode waren die Jugendberufsagenturen, die es bei euch ja auch gibt. Wir sammeln die Erfahrungen, die in den Kreisen damit gemacht werden, es gibt viele Erfolge, es gibt aber mit dem Blick auch Hamburg immer noch einiges, was wir in Schleswig-Holstein mehr machen könnten.

 

Die Konservativen werfen uns häufig einen „Akademisierungswahn“ vor und sagen dann, es könnte nicht nur Häuptlinge, es müsse auch Indianer geben. Dahinter steckt häufig der Gedanke, dass es mit der gesellschaftlichen Ordnung so bleiben soll, wie es ist.

 

Das hat die SPD immer anders gesehen. Es waren SPD-Bildungsreformen in den vergangenen Jahrzehnten, die dazu gefühlt haben, dass viele Menschen die ersten in ihrer Familie waren, die studieren konnten. Und übrigens kann man auch gut mit dem Abitur in eine Ausbildung gehen.

 

Wer ohne Abitur nach einer erfolgreich absolvierten Ausbildung ein erfülltes Leben führt, hat alles richtig gemacht. Wer das Potential hat, Abitur und Studium zu absolvieren, soll davon von der Gesellschaft unterstützt und nicht abgehalten werden.

 

 

 

 

 

Quellen:

 

(1) Erfolgreich starten.

Leitlinien zum Bildungsauftrag in Kindertagesstätten

https://www.schleswig-holstein.de/DE/Fachinhalte/K/kindertageseinrichtungen/downloads/kindertageseinrichtungen_Bildungsauftrag_LeitlinienBildungsauftrag_BildungsauftragLeitlinien.pdf?__blob=publicationFile&v=1

 

(2) Kita-Reform 2020

https://schleswig-holstein.de/DE/Schwerpunkte/Kindertagesstaetten/Kitareform2020/kitareform2020_node.html

 

(3) Anne Sliwka:

Pädagogik der Jugendphase

https://www.beltz.de/fachmedien/paedagogik/buecher/produkt_produktdetails/31487-paedagogik_der_jugendphase.html

 

(4) Bericht der Landesregierung zu den Elternanteilen an den schulischen Bildungskosten

http://www.landtag.ltsh.de/infothek/wahl18/drucks/4600/drucksache-18-4685.pdf+

 

(5) Schülerbeförderungskosten – Rechtslage und Übersicht über die Kreise

https://www.martinhabersaat.de/2018/10/20/schuelerbefoerderungskosten/