In schweren Zeiten ist gute Nachbarschaft wichtig

Kai Vogel und Martin Habersaat
Kai Vogel und Martin Habersaat

 SPD-Landtagsfraktion fordert Toleranz und Respekt:

 In den vergangenen Wochen kam es wegen der Corona-bedingten Reiseeinschränkungen zu Konflikten, die an der guten Nachbarschaft zwischen Hamburg und Schleswig-Holstein zweifeln lassen. Auf der einen Seite ignorierten Tagestouristen aus Hamburg die geltende Erlasslage und besuchten zu hunderten Nord- und Ostsee, auf der anderen Seite gab es Reaktionen „weit über das Ziel hinaus“, wie es der Reinbeker Landtagsabgeordnete Martin Habersaat vorsichtig umschreibt – dazu gehören aus seiner Sicht die Zurückweisung von Hamburger Spaziergängern an der Landesgrenze und eine Blockwart-artige Verfolgung von Autos mit Hamburger Kennzeichen. „Einerseits möchte ich darauf hinweisen, dass auch viele Schleswig-Holsteiner ein Auto mit Hamburger Kennzeichen fahren – weil sie es nach dem Umzug behalten haben oder weil es sich um einen Dienstagwagen handelt. Andererseits möchte ich mir diesen Hinweis ersparen, weil Respekt und Anstand natürlich völlig unabhängig von Autokennzeichen jetzt gefragt sind. Gerade in schweren Zeiten ist gute Nachbarschaft wichtig.“

Kai Vogel, Landtagsabgeordneter aus Pinneberg und seit 2017 Habersaats Nachfolger als Vorsitzender des Landtagsausschusses für die Zusammenarbeit der Länder Hamburg und Schleswig-Holstein, ergänzt: „Schleswig-Holstein und Hamburg arbeiten traditionell eng miteinander zusammen. Daran darf sich auch in schwierigen Zeiten nichts ändern. Gegenseitige Toleranz und ein vernünftiges Miteinander müssen in der aktuellen Situation unsere obersten Ziele sein. Die Kontakteinschränkungen fallen keinem Bundesland leicht. Sie helfen aber, dass die Ausbreitung der Infektionskrankheit deutlich ausgebremst wird.“ Touristische Beschränkungen für Tagesausflüge zu den jeweiligen Hot Spots seien sinnvoll und zum Schutz der Bevölkerung zwingend einzuhalten. Der gegenseitige „kleine Grenzverkehr“ zwischen den an Hamburg grenzenden Kreisen und der Hansestadt müsse aber weiterhin problemlos möglich sein – auch zwischen Niedersachsen und Hamburg klappe das reibungslos. Vogel: „Ein Zurückweisen von Fahrzeugen, Fahrradfahrern und Fußgängern aus Hamburg sollte nur dann geboten sein, wenn die Abstandsregeln nicht eingehalten werden und der Gesundheitsschutz gefährdet wird.“

Die Hamburger Polizei weist niemanden zurück, der aus Schleswig-Holstein kommend dort einen Baumarkt oder Supermarkt besucht. Habersaat: „Dasselbe muss natürlich auch umgekehrt gelten. Und natürlich müssen auch ‚grenzüberschreitende‘ Spaziergänge, Joggingrunden oder Radtouren möglich sein, zumal man diese Grenze zwischen zum Beispiel zwischen Wentorf und Bergedorf oder in der Feldmark von Barsbüttel und Rahlstedt nicht einmal sieht! Ich freue mich, dass sich die Landesregierung inzwischen dieser Auffassung anzuschließen scheint.“