Wir brauchen einen Pakt für mehr Schulsozialarbeit

Um die Aufarbeitung der Folgen der Corona-Pandemie an den Schulen zu bewältigen, verhandeln Bund und Länder über eine „Lernmilliarde“. SPD und SSW haben bereits Vorschläge vorgelegt, wie Lernlücken bei Schülerinnen und Schülern angegangen werden könnten. Doch es darf bei der Aufarbeitung nicht nur um fachliche Aspekte gehen, sagt Martin Habersaat, bildungspolitischer Sprecher der SPD-Landtagsfraktion:

„Als wir gemahnt haben, nach Monaten des Lockdowns die Schüler*innen nicht mit einem Klassenarbeitsplan, sondern eher im Stuhlkreis wieder an den Schulen zu begrüßen, haben wir das ernst gemeint. Natürlich wurde fachlich nicht alles geschafft, was unter normalen Umständen zu schaffen wäre. Aber Schule ist so viel mehr. Die Entwicklungsbedürfnisse von Kindern und Jugendlichen mussten nicht nur in fachlicher Hinsicht zurückstecken. Kinder und Jugendliche brauchen Gelegenheit zur Selbstdefinition, kreative Ausdrucksmöglichkeiten, sportliche Aktivität und Bewegung, positive Sozialbeziehungen. Auch hier macht Schule im ‚Normalbetrieb‘ Angebote, auch hier muss das letzte Jahr nachbearbeitet werden.

Über die außerschulische Jugendarbeit hat der Landtag in seiner letzten Tagung geredet, auch der Sport wird endlich verstärkt in den Debatten berücksichtigt. Aber auch die Schulsozialarbeit muss in den Mittelpunkt unserer Überlegungen rücken. Zusätzliche Lehrkräfte an den Schulen und eine Aufstockung der Stellen für Schulassistenzkräfte müssen begleitet werden mit einer Aufstockung der Schulsozialarbeit. Natürlich hoffen wir auf Geld vom Bund, aber auch Land und Kommunen sind in der Pflicht, über einen Pakt für die Schulsozialarbeit zu sprechen – mit zusätzlichen Stellen und der Möglichkeit zur Aufstockung von vorhandenen. Eine entsprechende Initiative fordere ich dringend von der Landesregierung.

Gerade in Phasen des Wechselunterrichts kommen Lehrkräfte an die Grenzen des Machbaren, auch was ihre Möglichkeiten der pädagogischen Einflussnahme angeht. Ganze Tage in Audiokonferenzen ohne Freizeitausgleich setzen viele junge Menschen unter Stress, andere verstärken ihren Hang zu Suchtverhalten, ohne dass die üblichen Hilfesysteme im gewohnten Umfang zur Verfügung stehen. Gleichzeitig führt die nachlassende Regelmäßigkeit der Kontakte bei einigen Schüler*innen verstärkt zum Absentismus, dem nur aufsuchend und in vielen Gesprächen, auch mit der Familie, begegnet werden kann.

Außerdem müssen wir die Notbetreuungskriterien für Schüler*innen anpassen. Auch viele Ältere brauchen einen Rückzugsraum außerhalb der eigenen Wohnung. Hier kommen Schulen, Jugendzentren, Bibliotheken und andere Räumlichkeiten in Frage, an denen dann aber auch eine pädagogische Mindestbetreuung sicherzustellen ist.