Recht auf Ganztag und Corona-Aufholpaket für Kinder und Jugendliche markieren Startpunkte eines langen Weges

Martin Habersaat vor dem Landeshaus
2020, Fotograf: Jan-Christoph Schultchen

Das Bundeskabinett hat heute Maßnahmen für ein „Aktionsprogramm Aufholen nach Corona für Kinder und Jugendliche für die Jahre 2021 und 2022 – 2 Mrd. Euro“ und einen Gesetzentwurf zur ganztägigen Förderung von Kindern im Grundschulalter beschlossen. Beide Beschlüsse markieren Startpunkte eines langen Weges.

Die Corona-Pandemie hat Spuren hinterlassen. In Familien, in Bildungsbiografien und im Leben von Kindern und Jugendlichen. Unsere Schulen konnten, trotz oftmals riesiger Fortschritte im Distanzlernen und bei der Digitalisierung von Unterricht, nicht alle Fachinhalte so vermitteln, wie sie es unter anderen Umständen hätten tun können. Aber Schule ist so viel mehr als die Vermittlung von Fachinhalten. Soziales Lernen, menschliches Miteinander, die Übernahme von Verantwortung für sich und andere – überall gab es Abstriche. Und auch außerschulische Freizeitangebote, das Erleben der Jugend und die ehrenamtliche Arbeit in den Jugendverbänden liegen seit einem Jahr auf Eis.  Daher ist es richtig, dass der Bund viel Geld mobilisiert, um hier ein Aufholprogramm zu starten.

Dazu erklärt Martin Habersaat, bildungspolitischer Sprecher:

„Wichtiger als kurzfristige Programme ist aber die krisenfeste Ausstattung von Schulen, vom Personal über die Gebäude bis hin zur Digitalisierung. Die SPD-Landtagsfraktion hat viele Vorschläge gemacht, wie der Aufholprozess in den kommenden Jahren gelingen kann. Wir haben angemahnt, es beim Digitalpakt nicht bei den bundesweit schlechtesten Rahmenbedingungen für die Schulträger zu belassen. Wir haben gefordert, nach den schlechten Erfahrungen des letzten Lernsommers nicht wieder auf den letzten Drücker zu planen. Wir haben dafür geworben, die Programme an den Schulen nicht dem Engagement und den Überstunden einzelner Lehrkräfte aufzubürden. CDU, Grüne und FDP haben darauf gebetsmühlenartig mit Lobeshymnen auf die eigene Ministerin und Forderungen an Berlin reagiert. Das wird nicht reichen. Schleswig-Holstein muss eigene Perspektiven entwickeln, wir brauchen Antworten über den Tag hinaus und nicht eine ewige Auf-Sicht-Fahrerei. Im Mai wird ein SPD-Antrag für einen Pakt für mehr Schulsozialarbeit auf der Tagesordnung stehen. Eine Ausweitung der Schulassistenz kann von Jamaika nach dem zwar verspäteten, aber deutlichen Gutachten nicht länger ausgesessen werden.

Eine Antwort auf die Pandemie und für die Entwicklung der Schule der Zukunft ist das Recht auf Ganztag. Und zwar auf ganztägige Förderung, nicht auf ganztägige Betreuung. Die SPD hat auch dieses Thema auf die Tagesordnung des Landtags gebracht und ein Anhörung im April hat gezeigt, in welche Richtung die Reise gehen muss. Schulen werden anders aussehen müssen, wenn Kinder dort mehr Zeit verbringen. Das Ende der Flurschule ist heute in Berlin eingeläutet worden. Wie gesagt: Wir stehen am Startpunkt eines langes Weges.”

Dazu erklärt Birte Pauls, sozialpolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion:

„Die Unterstützung der Ferienfreizeiten und der außerschulischen Angebote sowie die Förderung der frühkindlichen Bildung und Frühen Hilfen sind dringend notwendig. Viele Kinder müssen Sprachdefizite aufholen, weil sie eine lange Zeit nicht in der Kita waren. Hier ist es richtig, einen Schwerpunkt zu legen. Wir müssen aber auch die Familien stärken, um den langfristigen Folgen der Corona-Pandemie zu begegnen. Das gelingt uns zum Beispiel mit mehr niedrigschwelligen Angeboten bei den Familienzentren, Familienbildungsstätten und einer Stärkung der aufsuchenden Familienarbeit. Für das Erleben im Sommer muss die Landesregierung mit allen Beteiligten schnell klären, wie Angebote zur Ferien- und Freizeitgestaltung möglich sind. Die Vereine und Verbände müssen jetzt planen, damit für den Sommer noch Angebote entstehen können. Vor allem die ehrenamtliche Unterstützung muss wieder aktiviert werden. Erste Vereine haben die Sommerfreizeiten schon abgesagt. All diese Bereiche werden wir in der morgigen Anhörung des Sozialausschusses zu den Auswirkungen der Corona-Pandemie genau beleuchten.“