Jesus für Deutschland?!

CDU und Jesus

Einwurf (9) – Hatte Jesus Christus die CSU 2015 noch wegen missbräuchlicher Nutzung seiner Namensrechte verklagt (extra 3 berichtete), scheint sich seine Beziehung zur Christenunion sechs Jahre später deutlich verbessert zu haben. Ein weißer Jesus, umrahmt von den Nationalfarben und versehen mit dem CDU-Logo. Auf den ersten Blick mag das Irritationen auslösen und an Donald Trump und die Evangelikalen erinnern. Doch auf den zweiten Blick erschließt sich: Die Deutschlandfarben wurden einst von der SPD durchgesetzt und sind in diesem Kontext nicht mehr als eine kollegiale Ermunterung an grüne Ortsverbände, die mit dem D-Wort im eigenen Wahlprogramm fremdeln. Letztlich ging es ohnehin nur um eine graphisch kecke Erweiterung von des Heilands Heiligenschein. Assoziationen mit „Deutschen Christen“ sind völlig fehl am Platze, hatten diese doch mit Schwarz-Rot-Gold nachweislich nichts am Hut. Ein Bibelzitat im Arrangement zeigt, dass christliche Politik in Deutschland mehr kann als nur eine Bibel in die Luft zu halten. Entscheidend ist dabei die Geste, weniger die Korrektheit des Zitats. Wie heißt es in Matthäus 21 (12)? „Dann ging Jesus in den Tempel, jagte alle Händler und Käufer hinaus, stieß die Tische der Geldwechsler und die Stände der Maskenverkäufer um und rief ihnen zu: »Ihr wisst doch, nur marktübliche Preise sollen gesegnet sein.“ Politischem Islam kann selbstverständlich noch entschlossen begegnet werden, beschränkt sich das politische Christentum doch auf Bekenntnisse an Feiertagen. Keine Sorge: Wenn das Innenministerium gegen das nächste Kirchenasyl vorgeht oder ein Abschiebeknast mit Kinderspielplatz eröffnet wird, kommt der Jesus wieder weg.

Und nächstes Mal: Warum wir in der Politik weder Stolz oder Habsucht, noch Neid und Zorn kennen und Unkeuschheit, Unmäßigkeit und Trägheit schon gar nicht.

 

Links:

Jesus verklagt die CSU

Jesus for Kanzler”: So würden die Partei-Agenturen für Gottes Sohn als Politiker werben