Corona und das Geld

Martin Habersaat und Gerd Prüfer informieren sich bei der Schuldnerberatung:

Seit 21 Jahren berät Monique Hoenig Menschen, die in eine wirtschaftliche Notlage geraten sind und unterstützt dabei, die Situation zu stabilisieren und Existenzen zu sichern. Sie hilft, wenn Stromsperren drohen oder der Gerichtsvollzieher vor der Tür steht. Bei ihr und ihrem Team von der Schuldner- und Insolvenzberatung im Gemeinschaftszentrum Sönke-Nissen-Park Stiftung in Glinde informierten sich jetzt der Landtagsabgeordnete Martin Habersaat und Gerd Prüfer, der Vorsitzende des Stormarner Sozial- und Gesundheitsausschuss über die tägliche Arbeit, Veränderungen durch die Corona-Krise und die Zusammenarbeit mit Ämtern und Behörden. „Wir wollen diese unverzichtbare Arbeit unterstützen und es ist uns wichtig, Probleme zu kennen und Verbesserungsmöglichkeiten zu finden“, sagen die beiden Sozialdemokraten.

228 Akten bearbeitet das Team gerade, davon sind allerdings 172 laufende Insolvenzverfahren. „Akut haben wir immer etwa 50 Fälle in Arbeit“, berichtet Hoenig. Dabei sei die Nachfrage momentan allerdings so groß, dass es Wartezeiten von sechs bis sieben Wochen gebe. Allerdings: bei notwendiger Krisenintervention wie abgeschaltetem Strom oder einem drohenden Wohnungsverlust kann sofort geholfen werden. Die Corona-Krise habe gezeigt, dass eine nachhaltige Beratung am Telefon schwer sei. „Menschen müssen sich öffnen, um eine Lösung zu finden, das geht besser von Angesicht zu Angesicht.“ Momentan häufen sich die Fälle, bei denen das Geld wegen Kurzarbeit oder Jobverlust knapper wird, auch Probleme durch das Online-Shopping nehmen zu. „Manche Anbieter machen es den Menschen sehr leicht, sich zu überschulden“, beklagt Sylvia Ahlers. Ein weiteres Problem: Viele Menschen melden sich bei wirtschaftlichen Schwierigkeiten erst sehr spät bei der Beratungsstelle. „Natürlich versuchen wir auch zu helfen, wenn morgen der Strom abgestellt werden soll“, sagt Hoenig. Aber mehr Möglichkeiten gebe es, wenn bereits bei vorherigen Mahnungen der Weg zur Beratung gesucht wird.

Einige kurz- und langfristige Aufgaben nahmen Prüfer und Habersaat mit. So ist es schwierig, von einigen staatlichen Stellen eine Rückmeldung auf Vergleichsangebote zu bekommen. Andere fordern dieselben Unterlagen mehrfach an. „Ein wichtiges Thema ist auch die einfache Sprache“, sagt Gerd Prüfer. Natürlich müssen Ämter formal korrekt kommunizieren, „aber mehrseitige Schreiben, bei denen sich die wichtige Information auf Seite vier unten versteckt, sollte es nicht mehr geben.“ Eine andere Frage betrifft die Grundhaltung, mit der staatliche Stellen den Bürgerinnen und Bürgern gegenüber treten. Martin Habersaat: „Wenn im Landtag oder im Bundestag ein Anspruch für Menschen definiert wird, ein Beispiel hier war das Bildungs- und Teilhabepaket, dann ist es ein Erfolg, wenn alle Menschen diese Leistung erhalten, denen sie zusteht. Es ist kein Erfolg, wenn möglichst viele Berechtigte diese Hilfe nicht bekommen. Das ist auch eine Frage des Respekts.“

 

Mehr Informationen:

https://www.gutshaus-glinde.de/schulden.html

Tel. 040/71000423