Fehlende Zahlen und fehlende Fachkräfte

Martin Habersaat vor dem Landeshaus
2020, Fotograf: Jan-Christoph Schultchen

Zur Situation der Förderzentren in Schleswig-Holstein sagt Martin Habersaat, bildungspolitischer Sprecher der SPD-Landtagsfraktion:

In Schleswig-Holstein gibt es 82 Förderzentren und 20 Verbundsysteme, in denen Förderzentren zum Beispiel mit Grundschulen oder Gemeinschaftsschulen verbunden sind. Darunter sind die größten Gruppen die 47 Förderzentren Lernen, Sprache, Emotionale und soziale Entwicklung und die 23 Förderzentren Geistige Entwicklung. Unsere Förderzentren haben zwei wesentliche Aufgaben: Einerseits unterrichten sie Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischen Förderbedarfen, andererseits beraten sie Eltern und Lehrkräfte und fördern die inklusive Beschulung an allgemein bildenden und berufsbildenden Schulen. Leider vermag die Landesregierung nicht herauszufinden, wie viele der den Förderzentren zugeteilten Planstellen der Unterstützung der inklusiven Beschulung an allgemeinbildenden Schulen dienen und wie viele dem Unterricht am Förderzentrum selbst. Diese Zahl sollte kennen, wer über die Weiterentwicklung der Inklusion in Schleswig-Holstein sprechen will.

Das größere Problem neben den fehlenden Zahlen sind jedoch sicherlich die fehlenden Fachkräfte. An keiner anderen Schulform gibt es so große Probleme, zur Verfügung stehende Stellen zu besetzen. 2.215,91 Planstellen für Sonderpädagogik-Lehrkräfte und weitere 239,75 Planstellen für Erzieherinnen, Erzieher und Fachlehrkräfte standen in Schleswig-Holstein am Stichtag (6. Oktober 2020) zur Verfügung. Im Kreis Herzogtum Lauenburg war zu diesem Zeitpunkt fast jede fünfte Planstelle an den Förderzentren unbesetzt. An den Förderzentren im Kreis Pinneberg waren zum Stichtag nur 87,2 Prozent der Stellen besetzt, im Kreis Dithmarschen 87,5 Prozent. Aber auch bei den besetzten Stellen lohnt sich ein geauerer Blick: Mehr als fünf Prozent der Stunden wurden durch Personen ohne jede Lehrerausbildung unterrichtet, 8,5 Prozent aller Stunden von Personen ohne 2. Staatsprüfung. Ewas mehr als 11 Stellen waren durch bereits pensionierte Lehrkräfte besetzt.

Inklusion ist eine der wichtigsten Herausforderungen für unsere Schulen. Die SPD wirbt dringend dafür, dass Leitbild der inklusiven Schule weiter zu verfolgen, die sich aller ihr anvertrauten Schülerinnen und Schüler annimmt. Das meint jede Schule im Land und alle Schülerinnen und Schüler! Wenn die Landesregierung an den Förderzentren nur 95,2 der überhaupt zur Verfügung stehenden Stellen besetzt, an den Gymnasien aber 107,9 Prozent, dann zeigt sich, dass Jamaika die Schwerpunkte leider nicht zugunsten derer setzt, die eine besondere Unterstützung bräuchten. Und wer wichtige Kennzahlen nicht kennt oder nicht kennen will, wird hier keine positiven Entwicklungen gestalten können.

 

(Kleine Anfrage 19/3012)