Neben dem Takt der S21  müssen auch die Zuverlässigkeit und die Tarife besser werden

S21

Mit den Stimmen aller Fraktionen hat der Landtag in seiner letzten Sitzung vor der Sommerpause einen Antrag zur Verbesserung der Taktzeiten der S21 beschlossen. Die SPD hatte ihren entsprechenden Antrag zurückziehen können, nachdem die Regierungskoalition auf diesen mit einem Antrag ähnlichen Inhalts reagiert hatte. „So funktioniert das Spiel von Regierung und Opposition. Regierungsmehrheiten mögen es nicht, Oppositionsanträgen zuzustimmen. Wichtig ist, dass sich das Engagement vieler Menschen für Verbesserungen  bei der S21 nun ausgezahlt hat. Ich bedanke mich bei allen, die dazu beigetragen haben“, kommentiert der Reinbeker Landtagsabgeordnete Martin Habersaat. Neben Pendlern nach Hamburg hatten auch verschiede Reinbeker Unternehmen den Wunsch nach zusätzlichen Fahrten auch in den Nachtzeiten geäußert, zum Beispiel Allergopharma, wo in Reinbek rund um die Uhr der Biontech-Impfstoff hergestellt wird.

Habersaat ruft dazu auf, über diesem Erfolg nicht die anderen Großbaustellen aus dem Auge zu verlieren. Zu diesen Themen hatte er 2019 einen S-Bahn-Gipfel im Reinbeker Rathaus organisiert. „Neben der Taktung geht es um die Zuverlässigkeit der S-Bahn und um die Tarife.“ An der Zuverlässigkeit arbeitet die S-Bahn mit verschiedenen Maßnahmen, eine Tarifkommission hat die Arbeit aufgenommen und soll 2022 ein neues Konzept vorlegen. Das Problem: Die S21-Stationen Wohltorf und Aumühle liegen derzeit nicht im HVV-Großbereich. Von Reinbek zum Hamburger Hauptbahnhof ist man mit 3,40 Euro dabei, von Wohltorf und Aumühle aus mit 5,50 Euro. Habersaat: „Dieser Preissprung wurde von der Landesregierung in der Vergangenheit noch gefördert, er ist aber ungerecht und muss beseitigt werden!“ Das könnte auch dazu beitragen, die Reinbeker Innenstadt von den parkenden Autos aus dem Umland zu entlasten, da derzeit viele Einwohner der Nachbargemeinden auf dem ÖPNV-Weg nach Hamburg ihre Autos in Reinbek parken.

Möglicherweise werden die Tarifgrenzen bald ganz der Vergangenheit angehören. Im Herbst soll in Hamburg der ITS-Weltkongress stattfinden, ein Kongress rund um die Mobilität der Zukunft. Dann soll auch die Fahrkarten-App „HVV Any“ in Betrieb gehen, die automatisch den jeweils günstigsten Fahrpreis aus- und abrechnen kann. Habersaat: „Das könnte auch der technische Grundstock für streckengenaue Angebote sein. Zum Umstieg vom Auto auf den ÖPNV können wir die Menschen jedenfalls nur mit guten und verlässlichen Angeboten bewegen und eher mit sinkenden Preisen als mit steigenden.“

Zum Hintergrund:

 2007 entschied Wirtschafts- und Verkehrsminister Dietrich Austermann (CDU), den nachmittäglichen Berufsverkehr auf dem schleswig-holsteinischen Teil der S-Bahnstrecke S21 einzuschränken und statt eines 10-Minutentakts nur noch einen 20-Minutentakt  anzubieten. Im Westen Hamburgs gab es solche Verschlechterungen seinerzeit nicht.

2019 schrieb Martin Habersaat zu den Tarifgrenzen dem HVV: „Der HVV-Großbereich scheint einmal mit einem gedachten Radius von ca. 20 km um die Hamburger Innenstadt entstanden zu sein. Wenn man sich andere „Grenzbahnhöfe“ anguckt, so liegen Tanneneck, Meeschensee, Ahrensburg-Gartenholz und Ashausen (allesamt Großbereich) ca. 23 km vom Zentrum entfernt, Wohltorf aber nur 20 km, Aumühle auch nur 22 km. Da die S21 in Aumühle endet, würde der „Schmerz der Grenze“ auch nicht auf die nächste Station verlagert werden.“

Die Anträge aus der letzten Landtagssitzung:

Antrag Jamaika (Drucksache 19/3104)

SPD-Antrag (Drucksache 19/3075)