Wenn das öffentliche Gedächtnis digital wird

Zu Besuch beim Kreisarchiv Stormarn: Laut Landesarchivgesetz vom 11. August 1992 dienen Archive der Forschung, der Bildung und der Verwaltung. Sie sollen öffentlich zugänglich sein. Ihre Aufgaben sind es, erstens schriftliches Kulturgut zu bewahren und zweitens diese Dokumente bei Bedarf bereitstellen zu können. Entscheidungen einer Verwaltung müssen beispielsweise zu jedem Zeitpunkt, auch nachträglich, überprüft werden können. Daher werden wichtige Verwaltungsschriftstücke archiviert. „Archive sind das öffentliche Gedächtnis unseres Landes“, sagt Martin Habersaat, der bildungs- und kulturpolitische Sprecher der SPD-Landtagsfraktion. „Auch im Kreis Stormarn schlummern spannende Themen, die bei sorgfältigerer Archivarbeit in früheren Jahren wohl anders ausgegangen wären – auf der Deponie 78 in Barsbüttel hätte man wohl nie ein Wohngebiet errichtet, der Streit um den Lärmschutz an der K80 in Glinde wäre vielleicht schon gelöst.“ Wie es diesem Gedächtnis heute geht, welche Herausforderungen und Chancen sich den Archiven im Zeitalter der Digitalisierung bieten, darüber informierte er sich jetzt bei einem Besuch im Archiv des Kreises Stormarn.

Das Kreisarchiv hat das Ziel, nicht nur Schriftstücke zu konservieren und zu verwahren, sondern diese auch digital zugänglich zu machen. In zahlreichen Projekten mit Bundes- und Landesförderung konnten schon mancher Nachlass regional bekannter Fotografen und viele Dokumente der Kreisverwaltung online gestellt werden. Aktuell steht die Erschließung und Digitalisierung des Archivs der Kreissparkasse auf dem Programm. Die Digitalisierung bringt jedoch auch Herausforderungen mit sich, wenn die Scans hinterher im Internet zugänglich sind. Stefan Watzlawzik, Leiter des Kreisarchivs, erläutert: „Bis 1998 tagten die Ausschüsse nicht-öffentlich, da wurden häufig auch Einzelfälle unter der Nennung von Namen dokumentiert. Diese Namen dürfen noch nicht im Internet veröffentlicht werden, in Protokollen und teils umfangreichen Anhängen muss nach möglichen Verletzungen von Persönlichkeitsrechten gesucht werden.“ Hilfreich wäre aus Sicht des Archivars eine Passage im Archivgesetz, selbstverständlich unter Wahrung des Datenschutzes, die Veröffentlichung von Archivgut im Internet als Aufgabe der Archive festlegt. „Das entspräche dem Grundgedanken des freien Zugangs zum Kulturgut“, ist sich Habersaat sicher. Andere Bundesländer sind diesen Schritt bereits gegangen, Schleswig-Holstein sollte nach seiner Auffassung folgen.