„Um Dinge dem Zufall zu überlassen, braucht es keine Bildungsministerin“

Der zweite Lernsommer war ein ähnlicher Flop wie der erste:

Kreisgenaue Daten für Stormarn und den Kreis Herzogtum Lauenburg kann die Landesregierung noch nicht vorlegen. Doch schon heute ist klar: Der zweite Lernsommer war ein ähnlicher Flop wie der erste. Das Ziel war, Schülerinnen und Schülern nach schwierigen Corona-Monaten die Möglichkeit zu geben, Verpasstes nachzuholen. Doch ob und wo es welche Angebote gab, blieb dem Zufall überlassen. „Bildungsministerin Prien wollte aus dem Debakel beim ersten Durchlauf nichts lernen, die Folgen müssen die Schülerinnen und Schüler im Land ausbaden“, kritisiert Martin Habersaat, bildungspolitischer Sprecher der SPD-Landtagsfraktion. 2020 war die Beteiligung an den zusätzlichen Lernangeboten während der Sommerferien sehr gering; an 110 Schulen gab es Angebote für ca. 4.000 (das waren nur rund 1 %) der Schüler*innen. Damals konnte das Ministerium das mit der zu geringen Vorbereitungszeit rechtfertigen.

„Diese Ausrede zieht für 2021 nicht mehr“, findet der Abgeordnete aus Reinbek. Er hatte die Daten für diese Sommerferien abgefragt (Drucksache 19/3244), und die Ergebnisse waren ähnlich ernüchternd wie im Jahr zuvor. Habersaat: „Natürlich gilt: Wir können und über jedes Angebot freuen, das stattgefunden hat. Und wir bedanken uns bei allen für ihr Engagement. Aber: In ihrer Antwort auf meine Kleine Anfrage räumt die Regierung jetzt ein, dass vor den Ferien nur 130 Schulen Angebote für 4.500 Schüler*innen zugesagt hätten und dass weitere 50 Schulen Angebote in Aussicht gestellt hätten. Nach dem Corona-Schuljahr 2020/21 werden also maximal 2 % aller Schüler*innen tatsächlich Zugriff auf ein Angebot erhalten haben, Inhalte nachträglich zu erwerben – wobei viele Schulen Angebote nur für einzelne Klassen oder Jahrgangsstufen gemacht haben und der tatsächliche Prozentsatz viel kleiner sein dürfte.“ Die ungenügende Vorbereitung durch das Ministerium habe ein weiteres Mal eine Chance verstreichen lassen. „Wieder einmal hing es vom Zufall ob, ob und welche Angebote Eltern und Schüler*innen vor Ort vorfanden. Um Dinge dem Zufall zu überlassen, bräuchte es aber keine Bildungsministerin.”