Wir wollen, dass junge Menschen die Schulen verlassen, die selbst und kritisch denken können!

„Die Schulen in Deutschland haben zwei Schuljahre hinter sich, die durch die Corona- Pandemie Einschränkungen für die tägliche Arbeit mit sich brachten, wie wir alle sie uns nicht hätten vorstellen können. Kinder durften nicht in die Schulen, Familien sind durch Homeoffice und Homeschooling an ihre Grenzen geraten. Die digitale Ausstattung von Schulen, Lehrkräften und Schüler*innen hing weitestgehend vom Zufall ab, trotz des Digitalpakts und anderer Maßnahmen tut sie das heute in großen Teilen noch immer. Die KERMIT-Studie zeigte in Hamburg, dass Kinder aus schwierigeren Verhältnissen mit besonderen Rückständen in Deutsch und Mathematik zu kämpfen haben. Interessanterweise erschienen Presseberichte über diese Studie zwei Tage nach einem sehr beschwichtigenden Auftritt von Frau Prien im Bildungsausschuss, der unter der Überschrift „alles halb so wild“ gestanden haben könnte. Frau Prien, da haben Sie offenbar einen anderen Blick auf die Wirklichkeit als wir. Das erklärt vielleicht auch das Folgende: Da werden Sie als Bildungsministerin des Landes Schleswig- Holstein in das sogenannte Zukunftsteam des CDU-Kanzlerkandidaten berufen. Da können Sie einen bundesweiten Aufschlag machen und haben die Chance, ein Thema voranzubringen, können Lehrkräfte, Schüler*innen und Eltern nach zwei wirklich schwierigen Jahren mit Wumms unterstützen. Und wofür entscheiden Sie sich? Sie starten einen peinlichen Feldzug gegen das Gendern. Einen Gestaltungsanspruch, einen Wunsch, die Verhältnisse an unseren Schulen nachhaltig zu verbessern, kann ich daran nicht erkennen. Es geht heute nicht um die Frage, was an unseren Grundschulen unterrichtet wird, auch wenn von geneigter Stelle immer wieder so getan wird. Es geht um die Frage, was in Texten der Oberstufe zulässig ist oder als Fehler angestrichen wird. Aber mehr noch: Auch die Kommunikation der Schulen soll an die Kandare genommen werden. Der Öffentlichkeitsarbeit Ihres Kabinettskollegen Jan Philipp Albrecht verdanken wir den berechtigten Einwand, dass Sie 1 den Schulen verbieten, was Sie in Veröffentlichungen Ihres eigenen Ministeriums selbst längst tun. Rin in die Kartoffeln, raus aus den Kartoffeln. Von anderen Verlangen, was man selbst nicht tut – das ist in der Pädagogik selten ein erfolgreiches Modell. Martin Luther hat übrigens in seiner deutschen Übersetzung der Bibel nicht ein einziges Mal das Wort „Kartoffel“ verwendet. Sollte man es dann überhaupt gebrauchen? Und noch ein kurzer Einschub: Die Vertreterin der Kreislandjugend Herzogtum Lauenburg hat in ihrer Ansprache zur Überreichung der Erntekrone gestern tatsächlich von Helfer*innen gesprochen – und alle anwesenden CDU-Abgeordneten konnten hinterher trotzdem Klatschen. Übrigens schließt der Brief des Ministeriums an die Schulen mit einer Bitte, nicht mit einer Anweisung. Insgesamt ist die Form für einen Erlass unüblich. Ich werte das als Zeichen, dass Ihnen das auch alles ein bisschen peinlich ist. Vermutlich deshalb verweisen Sie auf einen Erlass von 2006 und versuchen, sich hinter ihrer Vorvorvorvorgängerin Ute Erdsiek-Rave zu verstecken. Das funktioniert aber nicht. Denn seit 2006 sind 15 Jahre vergangen, in denen sich in der Gleichstellung ziemlich viel getan hat – weniger als nötig wäre, aber doch einiges. Die Gesellschaft verändert sich ständig, und deswegen tut es die Sprache auch. Die Sprache jedes einzelnen, jeder sozialen Gruppe und ganzer Gesellschaften sind einem beständigen Wandel unterworfen. Es gibt Schulleitungen in Schleswig-Holstein, die sich bewusst und aus Gründen der Wertschätzung für das Gendern entschieden haben – teilweise übrigens nach Diskussionen über Wertschätzung in der Schulgemeinschaft mit Blick auf tatsächlich an den Schulen befindliche Menschen. Diese Wertschätzung aus wahlkampftaktischen Gründen mit einem hergeholten Rechtschreibargument von oben zu untersagen ist fadenscheinig und feige. Wir wollen, dass junge Menschen die Schulen verlassen, die selbst und kritisch denken können! Diese jungen Menschen zwingen Sie jetzt, in Klausuren einen Fehler in Kauf zu nehmen – mehr ist es glücklicherweise nicht, da konsequentes Gendern in Ihrer Welt einen Folgefehler darstellt. Es wurde in letzter Zeit verschiedentlich darüber diskutiert, ob Verbote Innovationen fördern. Was sich, fragen Sie Luther, in jedem Fall als untauglich erwiesen hat, ist der Versuch, Innovationen durch Verbote zu verhindern.“ —

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