Fachkräftealarm

Kommunalwahl 2013 - Mit Hermann Hanser in der Kita Willinghusen
Kommunalwahl 2013 - Mit Hermann Hanser in der Kita Willinghusen

Der Bedarf an Erzieher*innen steigt, die Ausbildungszahlen gehen zurück:

Mit dem neuen Kita-Gesetz für Schleswig-Holstein und dem am 2026 geltenden Recht auf Ganztagsbetreuung in der Grundschule steigt der Bedarf an Erzieher*innen im Land. Gleichzeitig geht die Zahl der Schülerinnen und Schüler im 1. Ausbildungsjahr dramatisch zurück. Vor diesem Missverhältnis warnt Martin Habersaat, Landtagsabgeordneter aus Reinbek und bildungspolitischer Sprecher der SPD-Landtagsfraktion: „Der Weg als Fachkraft in eine Kita führt über die Sozialpädagogische Assistenz (SPA) oder über die Weiterbildung als Erzieher*in. Bei den SPAs gab es im ersten Ausbildungsjahr vom Schuljahr 2019/20 zum Schuljahr 2020/21 einen Einbruch von 1.328 auf 1.221, bei den Erzieher*innen von 1.706 auf 1.473.“ Habersaat kritisiert, dass die Landesregierung die eigene Kita-Reform nicht mit einer notwenigen Ausbildungsoffensive begleitet hat und man nun sehenden Auges in einen Betreuungsnotstand laufe.

Um das zu ändern, wäre nach Ansicht der Sozialdemokraten auch eine deutliche Verbesserung der Arbeitsbedingungen und der Ausbildungsvergütung erforderlich. Das hatte die SPD vergeblich im November 2019 beantragt, als CDU, Grüne und FDP ihr umstrittenes Kita-Gesetz beschlossen. Diese Vergütung liegt in der Regel momentan nämlich bei: 0 Euro. Eine Ausnahme sind die Praxisintegrierten Ausbildungen (PIA), die jedoch allein von Kommunen oder Trägern finanziert werden müssten. Die SPD unternimmt zwei Jahre später deshalb einen neuen Anlauf und fordert von der Landesregierung, Träger und Kommunen bei diesen Kosten zu unterstützen und gleichzeitig gemeinsam mit dem Bund und den anderen Ländern die Aus- und Weiterbildung im Berufsfeld Erziehung so zu reformieren, dass künftig alle angehenden Fachkräfte eine angemessene Vergütung bekommen. Habersaat: „Wir haben uns als Staat zu lange auf den Idealismus der jungen Menschen verlassen, die in diesem wichtigen Berufsfeld arbeiten wollen. Wir sollten ihnen aber auch dabei helfen, ihr Leben auf dem Weg in den Beruf finanzieren zu können.“

Einsatzorte für Erzieher*innen und SPAs sind neben Kindertagesstätten und Schulen auch Wohneinrichtungen für Kinder, Jugendliche und Menschen mit Behinderung, Familienberatungsstellen und Freizeiteinrichtungen. Das unzureichend abgestimmte Vorgehen der Landesregierung führt Habersaat auch auf die Entscheidung zurück, die Berufliche Bildung aus dem Bildungsministerium in das Wirtschaftsministerium zu überführen. Seine Kritik: „Die eine Hand weiß gar nicht, was die andere tut. Während Frau Prien im Bildungsausschuss stolz berichtet, dass PIA-Ausbildungen für SPAs jetzt in Flensburg möglich sind, weiß das Wirtschaftsministerium in seiner Antwort auf unsere Kleine Anfrage davon nichts. So werden wir die anstehenden Probleme gewiss nicht lösen.“

 

Material:

SPD-Antrag 19/1856 – Erzieherische und sozialpädagogische Ausbildungen attraktiver gestalten und Ausbildungsvergütung einführen

Protokoll des Bildungsausschusses vom 12. November 2020 (S.18 zur SPA-Ausbildung)

Kleine Anfrage 19/332 – Erzieher*innen- und SPA-Ausbildung in Schleswig-Holstein

SPD-Antrag 19/3382 – Ausbildungsoffensive im Berufsfeld Erziehung starten – PiA-Ausbildung unterstützen