Fortschritt auch für die Schulen?

Bildungspolitischer Blick auf den Koalitionsvertrag im Bund:

„Mehr Fortschritt wagen“ – unter diese Überschrift haben SPD, Grüne und FDP ihren Koalitionsvertrag auf Bundesebene gestellt. Martin Habersaat, bildungspolitischer Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, wirft einen Blick auf die Vereinbarungen und vergleicht sie mit seinen Erwartungen, die er nach der Analyse der drei Wahlprogramme formuliert hatte. „Zwei Grundsatzentscheidungen gefallen mir besonders gut“, sagt der gelernte Lehrer, „erstens soll aus dem einst von der CDU durchgesetzten Kooperationsverbot ein Kooperationsgebot werden. Das heißt, dass Bund, Länder und Kommunen sich gemeinsam um gute Bildungsangebote kümmern sollen. Zweitens werden vor allem Schulen in sozial schwierigen Lagen in den Blick genommen. Wo mehr Hilfe erforderlich ist, wird es auch mehr Hilfe geben.“ Beispielsweise soll ein Bildungsgipfel einberufen werden, auf dem sich Bund, Länder, Kommunen, Wissenschaft und Zivilgesellschaft über Ziele und Wege der Bildungspolitik verständigen.

  1. Die Schule der Zukunft ist baulich und technisch gut ausgestattet

Die Berliner Koalitionäre haben einen Digitalpakt 2.0 vorgesehen, zunächst mit einer Laufzeit bis 2030. Dieser soll auch die nachhaltige Neuanschaffung von Hardware beinhalten, den Austausch veralteter Technik sowie die Gerätewartung und Administration. Außerdem soll es ein Investitionsprogramm geben, das mehr als 4.000 allgemein- und berufsbildende Schulen mit einem hohen Anteil sozial benachteiligter Schülerinnen und Schüler besonders stärkt. Ziel sind moderne, klimagerechte, barrierefreie Schulen mit einer zeitgemäßen Lernumgebung und Kreativlaboren. Unter dem Motto „#SchulederZukunftSH“ hatte Habersaat Anfang November eine große Fachtagung mit Experten aus Politik, Architektur und Schulentwicklung veranstaltet.

  1. An der Schule der Zukunft arbeiten multiprofessionelle Teams

Bis zu 8000 Schulen in benachteiligten Regionen und Quartieren sollen gezielt und dauerhaft mit zusätzlichen Stellen für schulische Sozialarbeit ausgestattet werden. Aufgabe der Länder wird es sein, die Schulen mit ausreichend und qualifizierten Lehrkräften zu versorgen – und zwar auch mit Sonderpädagogen und Berufsschullehrkräften. Bund und Länder richten eine gemeinsame Koordinierungsstelle Lehrkräftefortbildung ein, die bundesweit Fort- und Weiterbildungsangebote vernetzt, die Qualifikation von Schulleitungen unterstützt, den Austausch ermöglicht sowie die arbeitsteilige Erstellung von Fortbildungsmaterialien organisiert und fördert. Aufgabe des Landes wird es bleiben, Schulassistenz und Schulbegleitung auf stabilere Füße zu stellen und auszubauen. Eine Aufgabe, die die amtierende Landesregierung ihren Nachfolgern hinterlässt.

3. Die Zukunft der Schule findet nicht nur nach klassischem Stundenplan statt

Das Recht auf Ganztag in der Grundschule kommt. Ganztagsangebote sollen nach Wunsch von SPD, Grünen und FDP mit einem besonderen Augenmerk auf die Qualität entwickelt werden. An Schulen mit einem hohen Anteil von Schülerinnen und Schülern, die einen Anspruch auf Leistungen aus dem Bildungs- und Teilhabepaket haben, sollen dauerhaft und unbürokratisch Angebote für Lernförderung und soziokulturelle Teilhabe etabliert werden. So soll sichergestellt werden, dass die Inanspruchnahme dieser Leistungen steigt. Habersaat: „Grundsätzlich wird es so sein müssen, dass wir den Schulalltag neu denken. 45-Minuten-Blöcke von 8 Uhr bis 13 Uhr, dann Mittagessen und dann ‚Ganztag‘ – so wird es nicht sein. Die Schule wird künftig einen anderen Rhythmus haben als vor 50 oder 100 Jahren.“

  1. Die Berufliche Bildung wird wieder eine stärkere Rolle spielen

Die Ampelkoalition will das Duale System der beruflichen Ausbildung stärken und den Übergang von der Schule in die berufliche Bildung verbessern. Im Rahmen eines Ausbildungspakts sollen Ausbildungsbotschafterinnen und -botschafter gefördert werden. Die Durchlässigkeit von beruflicher und akademischer Bildung soll verbessert werden. Neuheiten sind eine Begabtenförderung in der beruflichen Bildung und eine Exzellenzinitiative Berufliche Bildung. BAföG-Leistungen sollen elternunabhängiger werden und das BAföG auch für die Förderung der beruflichen Weiterbildung ausgebaut werden.

Der Koalitionsvertrag:

https://www.spd.de/koalitionsvertrag2021/