Putins Krieg gegen die Ukraine

Thomas Losse-Müller und Martin Habersaat

Gesprächsrunde: Wie bringen wir die Flüchtlinge unter? Wie können wir helfen? Womit heizen wir nächsten Winter?

 

Arbeitsfrühstück im tatwerk

Im Reinbeker tatwerk bekommen seit 11 Jahren Menschen mit seelischer Beeinträchtigung die Chance, ihr Gleichgewicht wieder zu erlangen und ihre Rückkehr in den allgemeinen Arbeitsmarkt vorzubereiten. Hierher luden der Reinbeker Landtagsabgeordnete Martin Habersaat und der SPD-Spitzenkandidat Thomas Losse-Müller nun zu einem Arbeitsfrühstück ein, um aus unterschiedlichen Perspektiven den Krieg Putins gegen die Ukraine zu diskutieren. 2015/16 hatte Thomas Losse-Müller als Chef der Staatskanzlei die Unterbringung und Versorgung hunderttausender Menschen in Schleswig-Holstein organisiert. „Es sieht so aus, als hätten wir damals für noch höhere Zahlen geprobt, die uns jetzt erwarten“, sagte er und mahnte an, sich auf unterschiedliche Szenarien vorzubereiten. Im Mittelpunkt des Gesprächs standen die Fragen nach Unterbringung, Beschulung und Arbeitsmöglichkeiten der Menschen aus der Ukraine, die Möglichkeiten, aus Deutschland heraus Hilfe für die Menschen in der Ukraine zu organisieren und schließlich solche nach Energiepreisen und Energieversorgung heute und morgen.

Unterbringung, Beschulung und Arbeitsmöglichkeiten

Reinbeks Bürgermeister Björn Warmer berichtete von bisher 61 Flüchtlingen aus der Ukraine in Reinbek, bei schnell steigender Tendenz und am Anfang acht freien Aufnahmeplätzen in der Stadt. Bisher konnte man fast alle in privat zur Verfügung gestellten Wohnungen unterbringen, jetzt brauche man aber schnell größere Möglichkeiten. „Wir haben momentan kaum die Zeit, um Hilfe zu rufen“, erzählte er. Der Wohnraum sei in Reinbek schon nach 2015/16 knapp gewesen, viele seitdem nach Reinbek gekommene Flüchtlinge konnten mangels Wohnraum noch keine eigenen Wohnungen finden. „Wir haben uns zu lange unsere Hausaufgaben nicht gemacht“, befand Nikolaus Kern, der Vorsitzende der SPD-Fraktion in Reinbek. Das gelte für die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum, aber, so der Oberst der Reserve, auch für die Einsatzfähigkeit der Bundeswehr. Gabriela Will wies darauf hin, dass die obere Etage der tatwerk-Immobilie leer steht und dort über 1000 Quadratmeter nutzbar gemacht werden könnten. Natalyia Schabalin stammt selbst aus der Ukraine, kam 1999 nach Hamburg. Die Mitarbeiterin des Kursana Domizils Oststeinbek hat in ihrer Dreizimmerwohnung selbst neun Menschen aufgenommen – drei Mütter mit ihren Kindern. Ihre Erfahrung sei, dass ihre Landsleute sofort eine Arbeit aufnehmen wollen, man müsse ihnen nur die Möglichkeit geben. „Dabei müssen wir aufpassen, die Menschen nicht unter Wert einzusetzen“, befand Thomas Losse-Müller. Es müsse darum gehen, die mitgebrachten Qualifikationen zu nutzen und langfristige Perspektiven zu eröffnen.

Martin Habersaat sprach sich dafür aus, die Schulen schnell für Kinder und Jugendliche aus der Ukraine zu öffnen. Da das Land im digitalen Unterricht weiter sei als Deutschland, stünden nahezu alle Unterrichtsmaterialien online zur Verfügung. Lehrkräfte und Erzieherinnen aus der Ukraine könnten schnell die hiesigen DaZ-Teams unterstützen und auch ukrainische Unterrichtsangebote machen. Schwester Luise wies darauf hin, dass das Krankenhaus Reinbek die hausärztliche Versorgung für alle Flüchtlinge aus der Ukraine übernehmen könne, die noch keine Krankenversicherung und keinen Hausarzt haben. Mischa Helfmann stellte die Arbeitsgemeinschaft kirchliche Flüchtlingsarbeit vor, die unter https://hamburgasyl.de viele Informationen für Geflüchtete und Helfer*innen bereithält.

 

Hilfe für die Menschen in der Ukraine

Schnell nach Ausbruch des Krieges organisierte Monika Schmidt, Direktorin des Kursana Domizils Oststeinbek, einen ersten Hilfskonvoi in die Ukraine. Auch das Reinbeker Krankenhaus organisiert Hilfe – momentan werden vor allem Verbandsmaterial und Medikamente gebraucht. „Wichtig ist es, erst zuzuhören und dann zu helfen“, sagte Björn Warmer. Erst fragen, was gebraucht wird, dann sammeln. Und für den Transport in die Ukraine auf die Infrastruktur größerer Hilfsorganisationen zurückgreifen. Auch die Deutsche Bahn bietet an, Hilfsgüter zu transportieren. Die Stadtverwaltung hat zur Koordination der Hilfsangebote und für Fragen deshalb die Emailadresse ukraine(at)reinbek.de eingerichtet.

 

Energieversorgung heute und morgen

Das e-werk Sachsenwald versorgt in der Region 90.000 Bürger*innen mit Strom und Gas. Für diesen Winter sei die Energieversorgung kein großes Problem mehr, im nächsten Winter aber schon, berichtete Geschäftsführer Thomas Kanitz. So hätten sich viele Unternehmen wegen der schon vor dem Krieg steigenden Preise nicht für das ganze Jahr 2022 mit Energie eingedeckt – und müssen das jetzt in einer Situation nachholen, in denen die Preise so hoch seien wie noch nie. Das e-werk Sachsenwald sei für dieses Jahr eingedeckt, Sorgen müsse aber die Preisentwicklung 2023 machen. Es räche sich nun, dass Deutschland in der Energiewende nicht größere Schritte nach vorne gemacht habe, sagte Thomas Losse-Müller. In dessen Wahlkreis hatte der heutige Ministerpräsident Daniel Günther noch 2017 einen Wahlkampf gegen zusätzliche Windräder geführt. „Und die Zahl der Windkraftanlagen ist von 2017 bis 2021 konstant geblieben – bei 2981.“ Die Zukunft der Wärmeversorgung sieht er in Fernwärmenetzen, die durch elektrische Wärmepumpen und Wasserstoffkraftwerke gespeist werden – das hilft allerdings noch nicht im nächsten Winter. Der SPD-Spitzenkandidat berichtete deshalb von weiteren Hilfen bei den Heizkosten durch die Bundesregierung und will sich zudem dafür einsetzen, dass es auch beim Benzin zu einer Entlastung der Bürgerinnen und Bürger kommt.

 

Teilnehmer*innen:

Martin Habersaat, Landtagsabgeordneter

Mischa Helfmann, Flüchtlingsbeauftragter der Nordelbischen Kirche im Kirchenkreis Hamburg-Ost

Thomas Kanitz, Geschäftsführer e-werk Sachsenwald

Nikolaus Kern, Fraktionsvorsitzender SPD Reinbek

Dennis Leiding, Barsbüttel (fuhr eine Hilfslieferung nach Polen, TN noch offen)

Thomas Losse-Müller, SPD-Spitzenkandidat

Schwester Luise, Flüchtlingsbeauftrage des Krankenhauses St. Adolf-Stift

Natalyia Schabalin, Mitarbeiterin Kursana Oststeinbek (TN noch offen)

Monika Schmidt, Direktorin Kursana Oststeinbek

Björn Warmer, Bürgermeister Reinbek

Gabriela Will, Einrichtungsleiterin tatwerk