Schulbau – wenn die Lösung kleiner ist als das Problem

Erich Kästner Gemeinschaftsschule
Erich Kästner Gemeinschaftsschule

Die CDU wirbt mit einem Schulbauprogramm, das den eigenen Ansprüchen nicht gerecht wird. Großen Worten im Koalitionsvertrag folgen bisher keine Taten. Martin Habersaat, der bildungspolitische Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, vergleicht den schwarzgrünen Anspruch mit der tristen Wirklichkeit:

Der Wechsel von der Industriegesellschaft zur Wissensgesellschaft bringt neue Herausforderungen für die Schulen mit sich. Schulen entwickeln sich zu Ganztagsschulen, die Inklusion bringt neue Verantwortung für alle Schülerinnen und Schüler mit sich, die Digitalisierung erweitert die Möglichkeiten. Die Zukunft ist ungewiss, und trotzdem wollen wir unsere Kinder so gut wie möglich darauf vorbereiten. Die „4Ks“ werden immer wichtiger: Kritisches Denken, Kreativität, Kooperationen und Kommunikation. Das muss sich auf die Pädagogik auswirken und auch auf das Aussehen unserer Schulen. Zeitgemäße Pädagogik braucht zeitgemäße Räume. Es wäre höchste Zeit, dass das Land sich um die Schulen der Zukunft kümmert. An Lippenbekenntnissen mangelt es nicht: Schulen als moderne Lern- und Lebensorte stellt der schwarzgrüne Koalitionsvertrag in Aussicht. Ein aktuelles, noch von der letzten Landesregierung auf den Weg gebrachtes Schulbauprogramm wird von CDU-Abgeordneten in höchsten Tönen besungen. Es gelinge, „Schulen „auf den neuesten Stand bringen“ für „eine gute Lernumgebung, die maßgeblich zum Lernerfolg beiträgt“. Ein Blick in die Realität zeigt jedoch, dass diese Ansprüche in zweierlei Hinsicht nicht erfüllt werden:

Erstens: Die zur Verfügung gestellte Summe reicht nicht für alle Schulen. Die kreisfreien Städte orientierten sich bei ihren Meldungen an den zur Verfügung stehenden Mitteln und nicht an den Bedarfen. Ein Blick in die Kreise zeigt, wie die Lage tatsächlich ist. Zahlreiche Schulträger gingen im jüngsten Förderprogramm leer aus, wie eine Kleine Anfrage der SPD-Abgeordneten Beate Raudies ergab.

Kreis Anträge Nicht erfolgreich
Dithmarschen 18 9
Herzogtum Lauenburg 21 13
Nordfriesland 23 17
Ostholstein 33 28
Pinneberg 29 25
Plön 18 9
Rendsburg-Eckernförde 48 41
Schleswig-Flensburg 36 33
Segeberg 28 19
Steinburg 15 11
Stormarn 27 16

In Stormarn scheiterten das Emil-von-Behring-Gymnasium, die Grund- und Ganztagsschule Oststeinbek (2x), die Hahnheide Schule HHS, die Johannes-Gutenberg-Schule, die Grundschule Lütjensee, die Grundschule Schmalenbeck, die Grundschule Mollhagen, die Grundschule Tangstedt, die Woldenhornschule Ahrensburg, die Grundschule Trittau Mühlauschule, die Grundschule Hoisdorf, die Kirsten Boie Schule, die Schule am Masurenweg, die Erich Kästner Gemeinschaftsschule und die Ida Ehre Schule mit ihren Anträgen.

Im Kreis Herzogtum Lauenburg waren die Alfried-Otto-Schule, das Schulzentrum Büchen (3x), die Dalbek-Schule, die Friedegart-Belusa-Gemeinschaftsschule mit Oberstufe, die Fürstin-Ann-Mari-von-Bismarck-Schule, die Grundschule Müssen, die Stecknitz-Schule, die Schule am Steinautal, die Grundschule Sterley, die Gemeinschaftsschule Wentorf und das Gymnasium Wentorf betroffen.

 

Zweitens: Die Prioritäten bei der Mittelvergabe waren weit entfernt von ‚neuestem Stand‘. Es ging um undichte Dächer, feuchte Außenwände und ähnliches. Um nicht falsch verstanden zu werden: Das sind alles wichtige Themen und natürlich sollen Schüler*innen in einer schimmelfreien Umgebung lernen können. Zu „modernen Lern- und Lebensorten“ gehört aber viel mehr. Pädagogische Konzepte spielten nahezu keine Rolle bei der Auswahl der Konzepte und es ist zu befürchten, dass das in den kommenden Jahren so bleibt.

 

Fazit: Es wäre höchste Zeit, in Schleswig-Holstein die Schule der Zukunft zu bauen. Und zwar nicht als vereinzelten Leuchtturm, sondern als Standard. Es sollte nicht vom Zufall abhängen, welche Bedingungen Schülerinnen und Schüler vor Ort vorfinden. Und wenn das Land eine gute Lernumgebung will, dann muss es für eine gute Lernumgebung sorgen. Auch hier gilt: Die Lösung muss so groß sein wie das Problem!

Material:

Link zur Kleinen Anfrage von Beate Raudies:

https://www.landtag.ltsh.de/infothek/wahl20/drucks/00000/drucksache-20-00065.pdf