Lehrkräfte ohne Ausbildung – Landesregierung ohne Antworten

Martin Habersaat

335 befristete Verträge in Stormarn, 243 im Kreis Herzogtum Lauenburg: 

An den allgemeinbildenden Schulen in Schleswig-Holstein sind derzeit 3.648 Personen befristet beschäftigt, an den berufsbildenden Schulen weitere 287. Besonders betroffen sind die Grundschulen, an denen mit 1.429 befristet Beschäftigten fast die Hälfte der Betroffenen arbeitet (OD: 136, RZ: 107). Martin Habersaat, bildungspolitischer Sprecher der SPD-Landtagsfraktion und Abgeordneter aus Reinbek, sieht einen wichtigen Unterschied zu früheren Jahren: „War vor einigen Jahren der Hauptgrund für so eine Befristung in der Regel der, dass eine Lehrkraft mit unbefristeter Stelle für eine bestimmte Zeit ausfiel und vertreten werden musste – sei es wegen einer Schwangerschaft, eines Sabbatjahres oder wegen Krankheit -, liegt der Grund für die Befristung heute häufig auf der Seite der befristet Beschäftigten: Sie sind keine fertig ausgebildeten Lehrkräfte.“

Fertig ausgebildete Lehrkräfte fehlen an allen Ecken und Enden. Ein Blick in den Bericht zur Unterrichtssituation offenbart: 6,9 Prozent der Lehrkräfte an Gemeinschaftsschulen mit Oberstufe haben keine abgeschlossene Berufsausbildung. An Gemeinschaftsschulen ohne Oberstufe sind es 8,5 Prozent und an Grundschulen sogar 14,1 Prozent. Habersaat: „Solange keine Lehrkräfte mit abgeschlossener Ausbildung vorhanden sind, werden andere Menschen eingestellt. Lieber befristet, denn es könnten ja ‚richtige‘ Lehrkräfte kommen.“ Befristet Beschäftigte fingen jetzt an, sich unbefristet in den Schuldienst einzuklagen. Das führe zu einer absurden Situation: „Um Klagen nach Kettenverträgen zu verhindern, werden Vertretungslehrkräfte nach einigen Verträgen an die Luft gesetzt und durch andere Kräfte ersetzt. Dann müssen Menschen gehen, die schon einige Jahre Praxiserfahrung haben und ins Kollegium integriert sind. An ihre Stelle kommen andere, ebenfalls ohne abgeschlossene Ausbildung, und die Einarbeitung beginnt von vorn…“

Wie Schleswig-Holstein damit mittel- und langfristig umgehe solle, sei politisch unbeantwortet. „Im Bereich der Kitas haben CDU und Grüne eine Antwort gegeben: ‚Helfende Hände‘ sollen an die Kitas, die nicht auf den Fachkräfteschlüssel angerechnet werden.“ An den Schulen gehe es, ohne dass die Regierung es thematisiere, in eine andere Richtung, kritisiert Habersaat: „Lehrkräfte ohne abgeschlossene Berufsausbildung unterrichten mit unsicherer Perspektive, schlechter bezahlt, aber im Unterrichtsalltag mit denselben Rechten und Aufgaben wie andere Lehrkräfte auch. Sie sind Fachlehrkraft, Klassenlehrkraft, geben Noten und führen Elterngespräche. CDU und Grüne müssen das Thema endlich offen ansprechen und mit den Schulen und Gewerkschaften diskutieren, wie es weitergehen soll.“ ‚Helfende Hände‘ könnten ein Weg sein, Nachqualifizierungen und eine organisierte Unterstützung dieser Kräfte an den Schulen ein anderer, den die SPD präferieren würde. „Stillschweigend eine Abkürzung in den Lehrerberuf zu ermöglichen, wäre ebenso der falsche Weg wie eine Ausbeutung der Menschen, die ohne Qualifikation an unseren Schulen unterrichten!“

Material: 

https://www.landtag.ltsh.de/infothek/wahl20/drucks/00400/drucksache-20-00474.pdf